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Chaosmagie - 06.11.2009



 
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.:unaRmed:.
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 12.01.2007
Beiträge: 1969

BeitragVerfasst am: 03.11.2009, 17:01    Titel: Chaosmagie - 06.11.2009 Antworten mit Zitat
Die nächste Ausgabe von CROPfm ist am 06.11.2009 um 19:00 auf 92.6 Mhz - der Frequenz von Radio Helsinki - im Raum Graz/Steiermark als auch online zu hören. Für Fragen und Kommentare während der Sendung steht Ihnen CROPcom zur Verfügung - der liveChat.



Chaosmagie



Über die Natur des Jazz befragt, antwortete Luis Armstrong einmal: "Wenn ich es Ihnen erklären muss, werden Sie es so oder so nie verstehen!". So ähnlich verhält es sich auch mit dem Thema der kommenden Sendung, der "Chaosmagie". Eben das völlige fehlen jeglicher Schemata oder Systeme definiert die Chaosmagie offenbar am besten. Es existieren auch keinerlei moralische Leitlinien, die den Praktizierenden den Weg weisen - Eigenverantwortung in Reinkultur.


Bild: Matthias Töpfer >> www.bilderdaemmerung.de


Chaosmagier wie mein Gast Werner Hennrich nutzen alle System, alle Traditionen, alle Visualisierungen, Mythen und Rituale um das angestrebte Ziel zu erreichen. Es gibt keine Grenzen, und, nach eigenem Ermessen, auch keine Tabus. Die Welt der Magie mag für viele obskur und unwirklich erscheinen, doch die Welt der Chaosmagie setzt dem noch eines drauf - und in diese Welt werden wir in der kommenden Sendung eintauchen und uns ein wenig umsehen...


Eine Einführung in die "Chaos Magick"

Obskuristan: Zeremonie und Chaos

Die Geheimnisse der Illuminaten von Thanateros

Themengebiete: Bewusstsein und Spiritualität, Unerklärliche Phänomene

Moderator: Tarek Al-Ubaidi

Sendungsgast:

Werner Hennrich

Doris Berger

> Link zur Sendung <


Zuletzt bearbeitet von .:unaRmed:. am 07.11.2009, 12:47, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Weltenbuerger Thorsten
Forenveteran
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 18.01.2007
Beiträge: 319
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 04.11.2009, 23:31    Titel: Antworten mit Zitat
Wider der Illusion!

Zitat:
„Der Folgende Text wurde auf dem siebenten Treffen des Traditionellen Ältestenrates der Ureinwohner Nordamerikas (vom 27. bis 29.August 1982) auf dem gemeinsamen Nutzungsgebiet von Navajo und Hopi in Dove Waterflow (Arizona) verfaßt und ist an die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gerichtet. Er mahnt auf eindringliche Weise, wie dringend notwendig es ist, eine Richtungsänderung im Umgang mit der Natur einzuläutern.



Brüder und Schwestern,

das Naturgesetz ist die letzte und absolute Autorität, die E Te No Ha, diese Erde, die wir unsere Mutter nennen, regiert. Dieses Gesetz gilt uneingeschränkt, in direktem Verhältnis zu den Überschreitungen. Dieses Gesetz ist nicht barmherzig. Es will genau das, was nötig ist um das Gleichgewicht des Lebens aufrechtzuerhalten. Dieses Gesetz ist zeitlos und kann nicht nach den Normen der Menschheit festgelegt werden. Alles Leben ist dieser Autorität uneingeschränkt unterworfen. Wasser ist unser Körper, Wasser ist Leben. Frisches Wasser wird durch die donnernden Großväter erhalten, die Regenbringer; um die Quellen, Ströme, Flüsse, Seen und Ozeane zu erneuern. Wir werden durch unsere Mutter Erde ernährt, von der alles Leben entspringt. Wir müssen unsere Abhängigkeit von ihr verstehen und sie mit usnerer Liebe, mit Respekt und Zeremonien beschützen. Die Gesichter unserer künftigen Generationen blicken von der Erde zu uns auf, und wir schreiten mit großer Sorgfalt, um unsere Enkel nicht zu stören. Wir sind ein Teil des großen Kreislaufs des Lebens mit vier Jahreszeiten und endloser Erneuerung, solange wir an diesem absoluten Gesetz festhalten. Sobald wir diesen Kreislauf behindern, indem wir die Elemente stören, indem wir verändern oder Arten von Leben zerstören, können die Wirkungen unmittelbar sein oder auf unsere Kinder fallen, die für unsere Ignoranz und Gier leiden und zahlen werden. Das Naturgesetz besagt, daß die Erde unseren Kindern – sieben künftigen Generationen – gehört, und wir sind die Hüter, die E Te No Ha um allen Lebens willen verstehen, respektieren und beschützen müssen. Das Gesetz lautet, daß alles Leben in der Großen Schöpfung gleich ist, und wir, die menschlichen Wesen, sind mit der Verantwortung beauftragt – jeder in unserer Generation -, für den Fortbestand des Lebens zu arbeiten. Uns, den menschlichen Wesen, wurden die ursprünglichen Anweisungen gegeben, wie man mit dem Naturgesetz in Harmonie lebt. Es scheint so zu sein, daß die Völker der natürlichen, ungekünstelten Welt die einzigen sind, die an diesem Gesetz festgehalten haben. Der Ältestenrat der eingeborenen Völker der Großen Schildkröteninsel, damit beauftragt, das erste Gesetz des Lebens und der Spiritualität zu bewahren, ist besorgt, daß die Gültigkeit dieses Gesetzes nicht länger im heutigen Leben anerkannt wird. Wir sind besorgt, daß die Grundsätze des Gesetzes nicht länger an die nächste Generation weitergegeben werden. Das könnte verhängnisvoll für das Leben sein, wie wir es kennen. Das Naturgesetz wird sich ohne Rücksicht auf von Menschen geschaffene Gesetze, Gerichte und Regierungen durchsetzen. Völker und Nationen, die das Naturgesetz verstehen, regieren sich selbst, indem sie den Grundsätzen der Liebe und des Respekts folgen – das sichert Freiheit und Frieden. Wir sind zusammengekommen, weil wir durch die Zerstörung von Strukturen des Lebens alarmiert sind; unser Schicksal ist miteinander verflochten – was uns betrifft, betrifft alle. Wasser ist grundlegend für das Leben, und Getreide ist das nächste. Vergiftetes Wasser wird alles Leben vergiften, Fehlen von Wasser verursacht Trockenheit, Wüsten und Tod. Die Nationen, die in der Großen Ratsversammlung der UNO sitzen, müssen wieder das Naturgesetz lernen und sich selbst entsprechend regieren oder die Folgen ihrer Taten tragen. Es gibt Menschen und Nationen unter Ihnen, die diese Botschaft verstehen; und wir bitten Sie, mit uns zu sein und unsere Gesänge und Zeremonien zur Verteidigung von E Te No Ha, Mutter Erde, zu unterstützen.

Der Traditionelle Ältestenrat“



Russel Means: Die natürliche Ordnung wird sich durchsetzen

Die einzige Möglichkeit, eine Erklärung wie diese zu beginnen, ist zu sagen, dass ich das Schreiben hasse. Denn in diesem Vorgang selbst drückt sich die europäische Auffassung ‚richtigen’ Denkens aus, dem Geschriebenen wird eine Bedeutung zugemessen, die man dem Gesagten abspricht. Meine Kultur, die Lakota-Kultur, besitzt eine mündliche Tradition, und daher lehne ich es normalerweise ab zu schreiben. Eine der Methoden der weißen Welt, die Kulturen nicht-europäischer Völker zu zerstören, ist, den Beziehungen, die sich über das Sprechen herstellen, eine Abstraktion aufzuzwingen.

So ist das, was ihr hier lest, nichts, was ich geschrieben habe. Es ist das, was ich gesagt habe, und ein anderer hat es niedergeschrieben. Ich bin damit einverstanden, weil es anscheinend nur über die toten, trockenen Blätter eines Buches möglich ist, mit der Welt der Weißen in Verbindung zu treten. Mir ist es eigentlich egal, ob meine Worte Weiße erreichen oder nicht. Sie haben bereits durch ihre Geschichte bewiesen, dass sie nicht hören, nicht sehen, nur lesen können (natürlich gibt es Ausnahmen, aber Ausnahmen bestätigen nur die Regel). Wichtiger sind mir die amerikanischen Indianer, Studenten und andere, die dabei sind, durch Universitäten und andere Institutionen von der Welt der Weißen geschluckt zu werden.

Aber selbst das ist nicht die Hauptsorge. Es ist durchaus möglich, Indianer mit einer weißen Gesinnung zu werden, und wenn das eine individuelle Entscheidung ist, sei’s drum – nur kann ich mit solchen Leuten nichts anfangen. Dies ist ein Teil des kulturellen Völkermords, den Europäer heute gegen die indianischen Völker betreiben. Mir geht es um jene Indianer, die sich entschlossen haben, diesem Völkermord Widerstand zu leisten, sich aber vielleicht nicht im klaren darüber sind, wie sie vorgehen sollen.

Ihr merkt, dass, wenn ich mich auf mein Volk beziehe, ich eher den Begriff ‚American Indian’ verwende als ‚Native American’ oder ‚Native Indigenous People’ oder ‚Amerindian’. Wegen solcher Begriffe hat es Auseinandersetzungen gegeben und ganz ehrlich finde ich das an diesem Punkt absurd. In erster Linie scheint es, dass die Bezeichnung ‚American Indian’ als ursprünglich europäische abgelehnt wird – was wahr ist. Aber alle obengenannten Bezeichnungen sind der Herkunft nach europäisch, nicht-europäisch wäre es allein, von Lakota zu sprechen oder genauer, von Oglala, Brule usw., von den Dine, den Miccosukee und all den übrigen mehreren hundert korrekten Stammesnamen. Auch über das Wort ‚Indianer’ herrscht Verwirrung. Irrtümlicherweise wird angenommen, dass es sich irgendwie auf das Land Indien bezieht. Als Kolumbus an einen Strand der Karibik gespült wurde, suchte er nicht nach einem Land namens ‚Indien’. 1492 nannten Europäer das Land ‚Hindustan’. Seht es auf alten Landkarten nach. Kolumbus nannte die Stammesmitglieder, die er antraf, ‚Indio’ aus dem italienischen ‚in dio“, das heißt ‚in Gott’.

Es kostet jeden Indianer große Anstrengung, nicht europäisiert zu werden. Die Kraft für diese Anstrengung kann nur aus den traditionellen Bräuchen kommen, aus den traditionellen Werten, die unsere Älteren bewahren. Sie muß aus dem Ring kommen, den vier Himmelsrichtungen, den Beziehungen, nicht aber aus den Seiten eines Buches oder aus tausend Büchern. Kein Europäer kann je einen Lakota lehren, ein Lakota, einen Hopi ein Hopi zu sein. Ein Magister in ‚Indian Studies’ oder in ‚Erziehung’ oder irgend etwas anderem kann niemand zu einem Menschen machen oder traditionelles Wissen vermitteln. Er kann dich nur intellektuell zum Europäer machen, zum Außenseiter.

Ich sollte mich hier klar ausdrücken, denn es scheint da einige Verwirrung zu geben. Wenn ich von Europäern oder geistigen Europäern spreche, lasse ich mich nicht auf Scheinunterschiede ein. Ich sage nicht, dass es einerseits die Nebenprodukte von einigen tausend Jahren völkermordender, reaktionärer europäischer Geistesentwicklung gibt, die schlecht ist, und andererseits eine neue revolutionäre Geistesentwicklung, die gut ist. Ich beziehe mich hier auf die sogenannten Theorien des Marxismus und Anarchismus und des ‚Links sein’ im allgemeinen. Ich glaube nicht, dass man diese Theorien von der übrigen europäischen Geistestraditionen trennen kann. In Wirklichkeit ist es nur das gleiche alte Lied.

Nehmen wir das Christentum, als historisches Beispiel. Seinerzeit war das Christentum revolutionär. Es veränderte die europäischen Machtverhältnisse für alle Zeit (d.h. wenn man nicht zufällig der Meinung ist, das Römische Reich sei noch immer tonangebende Militärmacht). Aber die europäische Kultur, von der das Christentum ein Teil wurde, machte aus ihm ein Werkzeug der Zerstörung nicht-europäischer Völker (Im Jahre 1493 gab Papst Alexander VI seine berühmte INTER CAETERA Bulle heraus, in der befohlen wurde, alle barbarischen Nicht-Menschen und Nationen müssten unterworfen und gewaltsam zum katholischen Glauben gebracht werden, zugunsten der Expansion der europäischen Militär- und Wirtschaftsmacht auf dem ganzen Planeten, zugunsten der Festigung der europäischen Nationalstaaten, zugunsten der Entstehung des kapitalistischen Wirtschaftssystems). Die christlichen Revolutionen waren ein bedeutender Teil der Entwicklung der europäischen Kultur in eine bereits eingeschlagene Richtung, sie brachte nichts an Veränderungen, es sei denn, den europäischen Genozid außerhalb und vielleicht auch innerhalb Europas zu beschleunigen.

Dasselbe gilt für kapitalistische und andere europäische ‚Revolutionen’. Sie veränderten die Machtverhältnisse in Europa ein bisschen, doch nur, um den Bedürfnissen der weißen Welt auf Kosten von jedem und allem andern nachzukommen.

Der Prozeß begann viel früher. Newton zum Beispiel ‚revolutionierte’ die Physik und die sogenannten Naturwissenschaften, indem er das physische Universum auf eine lineare mathematische Gleichung reduzierte. Descartes tat das gleiche mit der Kultur, John Locke machte es mit der Politik und Adam Smith mit der Wirtschaft. Jeder dieser ‚Denker’ nahm ein Stück der Spiritualität menschlicher Existenz und verwandelte es in eine Formel, in eine Abstraktion. Sie machten da weiter, wo das Christentum aufhört: sie ‚säkularsierten’ die christliche Religion, wie die ‚Gelehrten’ gern sagen, und schufen damit günstigere Voraussetzungen für die expandierende europäische Kultur. Jede dieser intellektuellen Revolutionen diente dazu, das europäische Denken noch abstrakter zu machen, dem Universum seine wunderbare Komplexität und Spiritualität zu nehmen und sie durch eine logische Aufeinanderfolge zu ersetzen: eins, zwei drei Antwort!
So kam es zu dem, was Europäer ‚Effizienz’ nennen. Was immer mechanisch ist, ist perfekt, was immer den Anschein hat, im Augenblick zu funktionieren – das heißt, was den Beweis erbringt, das mechanische Modell sei das richtige – gilt als korrekt, sogar wenn es eindeutig falsch ist. Deshalb ändert sich die ‚Wahrheit’ im europäischen Denken so schnell, die Antworten, die aus einer solchen Vorgehensweise resultieren, sind nur Zwischenlösungen, gelten nur vorübergehend und müssen ständig zugunsten neuer Zwischenlösungen, die die mechanischen Modelle stützen und am Leben erhalten, verworfen werden.

Hegel und Marx waren die Erben des Denkens von Newton, Descartes, Locke und Smith. Hegel beendete den Säkularisierungsprozeß der Theologie – und wie er es selbst ausdrückte – er säkularisierte das religiöse Denken, durch welches Europa das Universum begriff. Dann setzte Marx Hegels Philosophie in eine ‚materialistische’ Terminologie um, d.h., dass Marx Hegels Werk ganz entspiritualisierte. Wieder sind das Marx’ eigene Begriffe. Und das nun wird als das zukünftige revolutionäre Potential Europas betrachtet. Europäer mögen das für revolutionär halten, amerikanische Indianer sehen darin eher den gleichen, alten europäischen Konflikt zwischen Sein und Gewinnstreben. Die geistigen Wurzeln einer neuen marxistischen Form des europäischen Imperialismus liegen in der Verbindung Marxens und seiner Anhänger mit der Tradition Newtons, Hegels und anderer.

‚Sein’ ist ein spirituelles Vorhaben. ‚Gewinnstreben’ ist ein materieller Akt. Ihrer Tradition folgend, haben die Indianer immer versucht, das bestmögliche Volk zu ‚sein’. Teil dieses spirituellen Prozesses war und ist es, Besitz wegzugeben. Besitz aufzugeben, um sich nicht zu bereichern. Materieller Gewinn ist bei traditionsgebundenen Menschen Indikator eines falschen Status, während er unter Europäern ‚ein Beweis’ ist, dass ‚das System funktioniert’. Ganz klar stehen hier zwei völlig entgegengesetzte Ansichten zur Diskussion, und vom Standpunkt des Indianers aus, ist der Marxismus sehr weit auf der anderen Seite. Aber betrachten wir den größeren Zusammenhang, dies ist nicht nur eine intellektuelle Debatte.

Die europäisch-materialistische Tradition der Entspiritualisierung des Universums ähnelt sehr dem geistigen Prozeß der Entmenschlichung einer Person. Und wer scheint die meiste Erfahrung bei der Entmenschlichung anderer zu haben? Und warum? Kampferprobte Soldaten lernen, so etwas mit dem Feind zu machen, bevor sie in die Schlacht zurückkehren. Mörder machen es, bevor sie einen Mord begehen, SS-Wächter der Nazis machten es mit Insassen der Konzentrationslager, Bullen tun es. Chefs von Unternehmen machen es mit den Arbeitern, die sie in Uranbergwerke und Stahlwerke schicken. Politiker machen es mit allen weit und breit. Und das Gemeinsame dieses Vorganges bei all den Gruppen, die die Entmenschlichung betreiben, besteht darin, dass es seine Ordnung hat zu töten und sonstwie andere Menschen zu zerstören. Eines der christlichen Gebote lautet: „Du sollst nicht töten“, zumindest keine Menschen, also besteht der Trick darin, die Opfer im Geiste in nicht-menschliche Wesen zu verwandeln. Dann kann man die Verletzung des eigenen Gesetzes als Tugend hinstellen.

In Bezug auf die Entspiritualisierung der Welt funktioniert der Prozeß so, dass es zu einer Tugend wird, den Planeten zu zerstören, Wörter wie Fortschritt und Entwicklung werden hier als Tarnwörter benutzt, so wie Sieg und Freiheit gebraucht werden, um das Abschlachten bei der Entmenschlichung zu rechtfertigen. Zum Beispiel mag sich ein Grundstücksspekulant bei dem Wort ‚entwickeln’ auf eine Landparzelle beziehen, wo er eine Kiesgrube errichtet: hier bedeutet Entwicklung totale, andauernde Zerstörung, wobei die Erde selbst abgetragen wird. Aber europäischer Logik zufolge hat man ein paar Tonnen Kies gewonnen, womit beim Bau von Straßen weiteres Land ‚entwickelt’ werden kann. Letztlich steht – aus der Sicht des Europäers – das ganze Universum dieser Art von Wahnsinn offen.

Am wichtigsten ist hier vielleicht die Tatsache, dass Europäer bei all dem kein Gefühl des Verlustes verspüren. Schließlich haben ihre Philosophen die Wirklichkeit entspiritualisiert, also gibt es ihnen keine Befriedigung, wenn sie etwas so Wunderbares wie einen Berg oder einen See oder ein Volk, so wie sie sind, einfach nur betrachten. Nein. Befriedigung misst sich an Begriffen materiellen Gewinns. So wird der Berg zu Kies, der See zu Kühlwasser für eine Fabrik, und die Menschen werden wie Vieh zusammengetrieben, um sie durch die Indoktrinationsmühlen, die die Europäer gerne Schulen nennen, zu schleusen. Dies ist alles sehr ‚rational’ und nützlich, deshalb macht man die Erfahrung eines Verlustes nicht. Und es ist sehr schwierig oder unmöglich, jemanden davon zu überzeugen, dass mit dem Prozeß des Gewinnstrebens etwas nicht stimmt, wenn es ihm an spiritueller Weisheit mangelt, den Verlust dessen zu spüren, das die ganze Zeit zerstört wird.

Jede neue Abstraktion entspringt einem direkten Erfordernis. Immer wenn eine Abstraktion sich abzunutzen beginnt, wenn die damit verbundenen Kosten offenkundig werden – offenkundig sogar für manche Europäer – wird eine neue Abstraktion geschaffen, die das Unvermeidliche aufschiebt. Eine Zeitlang führten Newton, Locke, Descartes und Smith zu Hegel und Marx und Darwin. Dann sind da Einstein und Niels Bohr u.a.m. . Jeder trieb die Abstraktion noch weiter voran und leistete seinen Beitrag, das System Wissenschaft / Materialismus fortzusetzen, als die alten ‚Antworten’ unbrauchbar wurden.

Aber jedes neue Stück solchen ‚Fortschritts’ erhöht den Einsatz in der wirklichen Welt. Nehmen wir den Brennstoff für Industriemaschinen als Beispiel. Vor wenig mehr als zwei Jahrhunderten benutze fast jedermann Holz – ein nachwachsender, natürlicher Stoff – als Brennstoff für die sehr menschlichen Bedürfnisse des Kochens und Wärmens. Es kam die industrielle Revolution und Kohle wurde zum bevorzugten Brennstoff, als die Produktion zum gesellschaftlichen Zwang für Europa wurde. In den Städten begann das Problem der Verschmutzung und, um über Kohle zu verfügen, riß man die Erde auf, während man das Holz einfach immer nur gesammelt oder eingebracht hatte, ohne in der Umwelt großen Schaden anzurichten. Später, als man die Produktionstechnologie durch eine Reihe naturwissenschaftlicher ‚Revolutionen’ perfektionierte, wurde Erdöl zur wichtigsten Energiequelle. Die Verschmutzung nahm drastisch zu, und niemand weiß bisher, welche Auswirkungen es auf lange Sicht haben wird, all das Öl aus der Erde zu pumpen. Jetzt haben wir eine ‚Energiekrise’ und Uran wird zu dominierenden Energiequelle – noch immer im Namen desselben Systems materialistischer Werte, die sowohl die Energie- wie die Umweltkrise herbeiführten.

Wenigstens kann man sich darauf verlassen, dass die Kapitalisten Uran als Brennstoff nur soweit erschließen, wie sie daraus Profit schlagen können. Das ist ihre Ethik, und vielleicht bringt das etwas Zeit. Den Marxisten hingegen kann man zutrauen, dass sie die Entwicklung von Uran als Energiequelle so schnell wie möglich vorantreiben, einfach deshalb, weil es der ‚effizienteste’, für die Produktion verfügbare Brennstoff ist. Das ist ihre Ethik, und ich sehe nicht, was daran besser ist. Ich sagte es schon, der Marxismus steht voll und ganz in der europäischen Tradition. Es ist das gleiche alte Lied.

II.

Die Missionare waren die Vorhut des europäischen Feldzuges zur Zerstörung der Kontinente dieser Hemisphäre – nicht nur der hier eingeborenen Völker, sondern der Kontinente selbst. Die Missionare sind noch immer hier und sie sind noch immer aktiv, und traditionelle Indianer betrachten sie als Feinde. Aber von der Bedeutung her sind im wesentlichen Kapitalisten an ihre Stelle getreten, deren Mission es ist, effizient auszubeuten, was die Missionare erschlossen haben. Dieser Wechsel von der Kirche zum Kapitalismus hat ohne Zweifel einige oberflächliche Unterschiede in der europäischen Gesellschaftsstruktur bewirkt – die Europäer sind sogar so weit gegangen, ‚Kirche und Staat (gesetzlich) zu trennen’ (die Macht der Kirche zu mindern) – Aber diese Revolution, das ist der Punkt, hat die Dinge für Nichteuropäer nur schlimmer gemacht. Der Kapitalismus ist zerstörender und wirkungsvoller als die missionarische Ausgabe Europas, der wir ein paar Jahrhunderte vorher begegnet sind.

Es gibt eine Faustregel, die man hier anwenden kann. Der wahre Charakter einer europäischen Revolutionstheorie lässt sich nicht aufgrund der Veränderungen, die sie innerhalb europäischer Machtstruktur und Gesellschaft anstrebt, beurteilen, sondern nur nach den Auswirkungen auf nicht-europäische Völker. Bisher nämlich diente jede europäische Revolution dazu, Tendenzen und Kräfte in Europa zu verstärken, die anderen Völker, anderen Kulturen und der Umwelt selbst Zerstörung bringen. Ich möchte denjenigen sehen, der mir ein Beispiel aufzeigen kann, wo dies nicht der Fall ist.

Unsere Mutter Erde ist missbraucht worden, und das kann nicht ewig so weitergehen. Die Umwelt wird sich rächen und diejenigen, die den Missbrauch betrieben haben, werden ausgelöscht werden. Keine Theorie vermag diese Tatsache zu ändern.

Jetzt sollen wir Indianer also glauben, dass eine ‚neue’ europäische Revolutionstheorie wie die marxistische die für uns negative Auswirkungen europäischer Geschichte aufhebt. Die europäischen Machtverhältnisse sollen wieder einmal geändert werden, und dadurch soll es uns allen besser gehen. Aber was bedeutet das in Wirklichkeit?

Wir, die Bewohner der Pine Ridge Reservation leben jetzt gerade in dem Gebiet, das die weiße Gesellschaft als ‚National Sacrifice Area’ (etwa: ein dem nationalen Wohl zu opferndes Gebiet) bezeichnet. Und das heißt, dass wir hier viele Uranlager haben und dass die Kultur der Weißen (nicht wir) dieses Uran zur Energiegewinnung braucht. Bei der Urangewinnung und –verarbeitung ist es für die Industrie am billigsten und rationellsten, die unverwertbaren Abfallprodukte gleich hier am Abbauort abzulagern. Genau hier, wo wir leben. Dieser Abfall ist radioaktiv und wird das ganze Gebiet für immer unbewohnbar machen. Die Industrie und die weiße Gesellschaft, die diese Industrie schuf, betrachtet dies als ‚annehmbaren’ Preis für die Erschließung der Energiequellen. Gleichzeitig plant man, den Grundwasserspiegel in dieser Region South Dakotas als Teil des Industrialisierungsprozesses abzuleiten: also wird das Gebiet doppelt unbewohnbar. Das gleiche passiert im Land der Navajo und Hopi, oben im Land der Northern Cheyenne und der Crow und überall. Dreissig Prozent Kohle des Westens und die Hälfte der Uranvorkommen in den Vereinigten Staaten liegen in Reservationsland, und das kann man keineswegs als geringfügiges Problem ansehen. Für die Indianer ist es im wahrsten Sinne des Wortes eine Überlebensfrage. Für die weiße Gesellschaft und ihre Industrie ist es eine Frage, in ihrer gegenwärtigen Form weiterexistieren zu können.

Wir wehren uns dagegen, dass dieses Gebiet dem Wohle der Nation geopfert werden soll. Wir wehren uns dagegen, dass man uns in ein Volk verwandelt, das für das Land geopfert wird. Wir akzeptieren den Preis für diese Industrialisierung nicht. Es ist Völkermord, wenn hier Uran gefördert und der Grundwasserspiegel abgeleitet wird – nicht mehr, nicht weniger. Der Grund für unseren Widerstand ist also klar genug und sollte nicht weiter erklärt werden müssen. Niemandem.

Nehmen wir nun an, wir würden anfangen, uns im Widerstand gegen unsere Ausrottung Verbündete zu suchen, die wir haben. Nehmen wir weiterhin an, dass wir den revolutionären Marxismus beim Wort nehmen, nämlich, dass er nichts weniger als den vollständigen Umsturz der kapitalistischen europäischen Gesellschaftsordnung anstrebt, die genau unsere ganze Existenz bedroht. Für die Indianer wäre das eigentlich dem Anschein nach ein natürlicher Verbündeter. Den Marxisten zufolge sind es schließlich die Kapitalisten, die uns zum Opfer für die Nation erhoben. Das ist soweit richtig.

Doch wie ich aufzuzeigen versucht habe täuscht diese ‚Wahrheit’ sehr. Man schaue unter die Oberfläche des revolutionären Marxismus und was findet man? Eine Verpflichtung, das industrielle System, das den Uranbedarf der weißen Gesellschaft schuf, zu revidieren? Nein. Eine Verpflichtung, den Lakota und anderen Indianervölkern die tatsächliche Verfügung über ihr Land mit den Bodenschätzen, das sie verlassen haben, zu gewährleisten? Nein, wenn die Industrialisierung als Teil ihrer Doktrin nicht revidiert werden sollte. Eine Verpflichtung unseren Rechten als Volk gegenüber, eine Verpflichtung, unsere Wertvorstellungen und Traditionen zu bewahren? Nein, nicht solange sie das Uran auf unserem Land brauchen, um das industrielle System der Gesellschaft, der Kultur, zu der die Marxisten noch immer gehören, zu füttern.

Der revolutionäre Marxismus engagiert sich sogar dafür, eben die Industrialisierung, die uns alle zerstört, fortzusetzen und zu perfektionieren. Er bietet lediglich an, die Gewinne, vielleicht das Geld, aus dieser Industrialisierung, an einen größeren Teil der Bevölkerung ‚rückzuverteilen’. Er bietet an, den Kapitalisten den Reichtum wegzunehmen und umzuverteilen, aber um das zu tun, muß der Marxismus das industrielle System aufrechterhalten. Wieder einmal werden die Machtverhältnisse innerhalb der europäischen Gesellschaft verändert werden müssen, und wieder einmal werden die Auswirkungen auf die Indianervölker hier, auf Nichteuropäer anderswo, die gleichen bleiben. Das ist fast so wie zur Zeit der sogenannten bürgerlichen Revolution, als die Macht von der Kirche auf die Privatwirtschaft umverteilt wurde. Die europäische Gesellschaft wandelte sich ein wenig, zumindest oberflächlich, aber ihre Haltung Nichteuropäer gegenüber war weiterhin unverändert. Man sieht ja, was die Revolution von 1776 den Indianern einbrachte. Es ist dasselbe alte Lied.

Der revolutionäre Marxismus versucht, wie die industrielle Gesellschaft in anderer Weise, alle Menschen in Bezug auf die Industrie zu ‚rationalisieren’ – höchstentwickelte Industrie, Höchstproduktion. Es ist eine materialistische Doktrin, die die spirituelle Tradition der Indianer, unserer Kulturen, unsere Lebensart verachtet. Marx selbst nannte uns ‚vorkapitalistisch’ und ‚primitiv’. Von seinem Standpunkt aus bedeutet ‚vorkapitalistisch’ einfach, dass wir den Kapitalismus schließlich entdecken und zu Kapitalisten werden würden: in marxistische Begriffe gefasst, sind wir immer ökonomisch zurückgeblieben. An einer marxistischen Revolution könnten die Indianervölker nur teilnehmen, wenn sie sich in das industrielle System einfügen und Fabrikarbeiter oder ‚Proletarier’, wie Marx sie nannte, würden. Der Mann war sich sehr klar darüber, dass eine Revolution nur durch den Kampf des Proletariats stattfinden kann und dass das Vorhandensein eines massiven industriellen Systems Vorbedingung für eine erfolgreiche marxistische Gesellschaft ist.

Ich glaube hier gibt es ein sprachliches Problem. Christen, Kapitalisten, Marxisten, sie alle waren ihrem eigenen Verständnis nach revolutionär, doch keiner von ihnen meint wirklich Revolution. Was sie wirklich meinen ist eine Fortführung. Sie tun, was sie tun, damit die europäische Kultur weiter bestehen und sich ihrer Bedürfnisse gemäß entwickeln kann. Wie Krankheitskeime durchläuft die europäische Kultur Stadien gelegentlicher Konvulsionen, um weiterzuleben und zu wachsen. Wir reden nicht über eine Revolution, sondern über eine Methode, das bereits Existierende fortzusetzen. Eine Amöbe ist, nachdem sie sich reproduziert hat, immer noch eine Amöbe. Vielleicht sind Krebszellen ein genauer Vergleich, da die europäische Kultur historisch gesehen um sich herum alles zerstört hat und sich möglicherweise selbst zerstören wird.

Um uns wirklich mit dem Marxismus zu verbünden, müssten wir Indianer zustimmen, unsere Heimat der Nation zu opfern, wir müssten kulturellen Selbstmord begehen und uns industrialisieren und europäisieren lassen.

An diesem Punkt muß ich innehalten und mich fragen, ob ich zu hart bin. Der Marxismus hat so etwas wie eine Geschichte. Gibt diese Geschichte meine Beobachtungen recht? Ich schaue mir den Industrialisierungsprozeß in der Sowjetunion seit 1920 an und sehe, dass diese Marxisten das geschafft haben, wozu die industrielle Revolution in England 300 Jahre brauchten; und die Marxisten schafften es in 60 Jahren. Ich sehe, dass im Gebiet der UdSSR früher eine Reihe von Völkerstämmen lebte, und dass sie niedergemacht wurden, um den Weg für die Fabriken zu ebnen. Die Sowjets berufen sich hierbei auf ‚die Nationale Frage’, die Frage, ob diese Stämme das Recht hatten, als Völker zu existieren, und sie entschieden, dass man diese Völkerstämme ruhig industriellen Zwecken opfern könne. Ich schaue mir China an und stelle das gleiche fest. Ich schaue mir Vietnam an und stelle fest, dass die Marxisten eine industrielle Ordnung erzwingen und die einheimischen Bergstämme ausrottet.

Ich höre einen führenden Sowjetwissenschaftler sagen, dass Alternativen gefunden würden, wenn sich das Uran erschöpft habe. Ich sehe die Vietnamesen ein vom US-Militär aufgegebenes Atomkraftwerk übernehmen. Haben sie es abgebaut und zerstört? Nein. Sie benutzen es. Ich sehe die Chinesen Atombomben zünden. Uranreaktoren entwickeln und ein Raumfahrtprogramm aufstellen, um die Planeten zu kolonisieren und auszubeuten, genau wie die Europäer diese Hemisphäre kolonisiert und ausgebeutet haben. Es ist das gleiche alte Lied, nur dass es jetzt vielleicht schneller geht.
Die Äußerung des Sowjetwissenschaftlers ist sehr interessant. Weiß er, was die alternative Energiequelle sein wird? Nein, er ist schlicht gutgläubig. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Ich höre revolutionäre Marxisten sagen, die Zerstörung der Umwelt, die Verschmutzung und die radioaktive Strahlung – alles wird man in den Griff bekommen. Und ich sehe sie nach ihren Worten handeln. Wissen sie, wie man diese Dinge in den Griff bekommt? Nein, sie sind schlicht gutgläubig. Die Wissenschaft wird einen Weg finden, die Industrialisierung ist gut und notwendig. Woher wissen sie das? Glaube. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Eine solche Art von Glauben hieß in Europa immer Religion. Die Wissenschaft ist die neue Religion sowohl für Kapitalisten als auch für Marxisten; sie sind wahrhaft untrennbar, sie gehören, eins wie das andere, zur gleichen Kultur. Daher fordert der Marxismus in Theorie und Praxis von nicht europäischen Völkern, ihre Werte, ihre Tradition, ihre kulturelle Existenz ganz und gar aufzugeben. In einer marxistischen Gesellschaft werden wir alle Hörige der Industrialisierung und ihrer Wissenschaft sein.

III.

Ich bin nicht der Meinung, dass der Kapitalismus an sich wirklich verantwortlich für die Situation ist, in der die amerikanischen Indianer zum nationalen Opfer erklärt wurden. Nein, die europäische Tradition ist es, die europäische Kultur selbst ist verantwortlich. Der Marxismus ist nur das letzte Glied in der Kette dieser Tradition und nicht ihre Auflösung. Sich mit dem Marxismus zu verbünden, heißt, sich mit genau den Kräften zu verbünden, die uns als akzeptable Kosten verbuchen.

Es gibt einen anderen Weg. Es ist der Weg der traditionellen Lakota und der anderen amerikanischen Indianervölker; es ist der Weg des Wissens darum, dass Menschen nicht das Recht haben, die Mutter Erde zu erniedrigen, dass es Kräfte gibt, die über das, was europäischer Geist je ersonnen hat, hinausgehen; dass die Menschen sich in Harmonie mit der ganzen Umwelt befinden müssen, sonst wird es die Umwelt sein, die schließlich die Disharmonie beseitigen wird. Eine einseitige Bedrohung des Menschen durch den Menschen – die Arroganz der Europäer, so zu handeln, als stünden sie über der Tatsache, dass alle Dinge von Natur aus miteinander zusammenhängen – kann nur mit einer völligen Disharmonie enden und in einer Wiederanpassung, wobei die Arroganten auf ihre wirkliche Größe zurechtgestutzt werden und sie eine Ahnung von jener Wirklichkeit bekommen, die jenseits ihres Verständnisses und außerhalb ihrer Kontrolle liegt, und die die Harmonie wiederherstellt. Eine Revolutionstheorie ist nicht nötig, damit das geschieht; das entzieht sich menschlicher Kontrolle. Die Naturvölker dieses Planeten wissen das und deshalb stellen sie darüber keine Theorien auf. Theorie ist abstrakt, unser Wissen ist konkret.

Reduziert man den europäischen Glauben auf sein Wesentliches – einschließlich des neuen Glaubens an die Wissenschaft – so ist das gleichbedeutend mit dem Glauben, das der Mensch Gott sei. Europa hat immer einen Messias gesucht, sei es der Mensch Jesus Christus oder der Mensch Karl Marx oder der Mensch Albert Einstein. Amerikanische Indianer wissen, dass dies vollkommen absurd ist. Die Menschen sind die schwächsten aller Lebewesen und so schwach, dass andere Lebewesen bereit sind, ihr Fleisch aufzugeben, damit wir leben können. Die Menschen können nur aufgrund ihrer Rationalität, die sie anwenden, überleben, da es ihnen an Möglichkeiten fehlt, sich Nahrung durch den Gebrauch von Fangzähnen und Krallen zu beschaffen, so wie andere Kreaturen es machen.

Aber die Rationalität ist ein Fluch, denn sie veranlasst die Menschen, die natürliche Ordnung der Dinge zu vergessen – anders als die Tiere. Wölfe vergessen niemals ihren Platz in der natürlichen Ordnung. Amerikanische Indianer können ihn vergessen, Europäer vergessen ihn fast immer. Wir danken dem Wild, das mit uns verwandt ist, da es uns erlaubt, sein Fleisch zu essen. Europäer nehmen das Fleisch als selbstverständlich hin und halten das Wild für minderwertig. In ihrem Rationalismus und ihrer Wissenschaft halten sich die Europäer schließlich für gottgleich. Gott ist das höchste Wesen; alles andere muß niedriger sein.

Die ganze europäische Tradition, der ‚Marxismus’ eingeschlossen, hat sich verschworen, die natürliche Ordnung aller Dinge herauszufordern. Mutter Erde ist vergewaltigt worden, die Kräfte sind missbraucht worden, und das kann nicht ewig so weitergehen.
Keine Theorie vermag an dieser Tatsache etwas zu ändern. Mutter Erde wird sich rächen, die gesamte Umwelt wird sich rächen und diejenigen, die den Missbrauch betrieben haben, werden ausgelöscht werden. Die Dinge durchlaufen einen vollkommenen Kreis und kehren an ihren Anfang zurück. Das ist Revolution. Und das ist eine Prophezeiung meines Volkes, der Hopi und anderer Völker, die im Recht sind.

Seit Jahrhunderten versuchen die amerikanischen Indianer dies den Europäern klarzumachen. Aber wie ich schon sagte, haben Europäer selbst bewiesen, dass sie nicht hören können. Die natürliche Ordnung wird sich durchsetzen und diejenigen, die sie verletzen, werden aussterben, so wie das Wild stirbt, wenn es die Harmonie verletzt, indem es sich in einem begrenzten Raum zu sehr vermehrt. Es ist nur eine Zeitfrage, bis das stattfindet, was die Europäer ‚eine größere Katastrophe globalen Ausmaßes’ nennen. Es kommt allen Indianervölkern zu, jeder natürlichen Existenz, zu überleben. Ein Teil unseres Überlebens ist der Widerstand. Wir leisten diesen Widerstand, nicht um eine Regierung zu stürzen oder die politische Macht zu übernehmen, sondern weil es natürlich ist, sich gegen die Ausrottung zu wehren, zu überleben. Wir wolle nicht die Macht über Institutionen der Weißen, wir wollen, dass die Institutionen der Weißen verschwinden. Das ist Revolution.

Amerikanische Indianer sind noch immer auf Tuchfühlung mit diesen Realitäten – den Prophezeiungen, den Traditionen unserer Vorfahren. Wir lernen von den Alten, von der Natur, von den Kräften. Und wenn die Katastrophe vorüber ist, werden wir amerikanischen Indianer noch immer hier sein, um diese Hemisphäre zu bewohnen. Und wenn nur eine Handvoll Leute hoch oben in den Anden überlebt, mir ist das egal. Die amerikanischen Indianer werden überleben; die Harmonie wird wiederhergestellt werden. Das ist Revolution.

An diesem Punkt sollte ich vielleicht etwas anderes klarmachen, etwas, das eigentlich klar sein sollte, nach dem, was ich bereits gesagt habe. Aber die Verwirrung breitet sich heutzutage leicht aus, deshalb möchte ich den folgenden Punkt untermauern. Wenn ich den Begriff ‚Europäer’ verwende, beziehe ich mich nicht auf eine Hautfarbe oder auf eine besondere Struktur. Worauf ich mich beziehe, ist eine Geisteshaltung, eine Weltsicht, die ein Ergebnis der Entwicklung europäischer Kultur ist. Menschen sind nicht genetisch dazu veranlagt. Das gleiche gilt für amerikanische Indianer oder für Mitglieder jeder anderen Kultur.

Es ist einem amerikanischen Indianer möglich, europäische Werte, eine europäische Weltansicht zu teilen. Wir haben einen Begriff für diese Leute: wir nennen sie ‚Äpfel’ – rot auf der Außenseite (Genetik) und weiß innen (ihre Werte). Andere Gruppen haben ähnliche Begriffe: die Schwarzen haben ihre ‚oreos’, die Hispanier haben ‚Kokosnüsse’ und so weiter. Und wie ich schon sagte, es gibt Ausnahmen von der Regel der Weißen; Leute, die außen weiß sind, aber nicht innen. Ich bin mir nicht sicher, welcher Begriff auf sie anwendbar wäre, außer dem ‚menschlichen Wesen’.

Die Haltung die ich hier einnehme, ist keine rassistische, sondern eine kulturelle. Diejenigen, die letztendlich die Gegebenheiten europäischer Kultur und ihren Industrialismus befürworten und verteidigen, sind meine Feinde. Diejenigen, die dagegen Widerstand leisten, dagegen kämpfen, sind meine Verbündeten, die Verbündeten des amerikanischen Indianervolkes. Und mir ist es ungeheuer egal, was für eine Hautfarbe sie zufällig haben. Kaukasisch ist die Bezeichnung der Weißen für die weiße Rasse. Europäisch ist eine Ansicht, gegen die ich bin.

Die vietnamesischen Kommunisten sind, genau genommen, nicht was man – genetisch betrachtet – als Kaukasier bezeichnen könnte, aber sie funktionieren heute vom Bewusstsein her als Europäer. Das gleiche gilt für chinesische Kommunisten, japanische Kapitalisten, Bantu-Katholiken oder Peter ‚MacDollar’ da unten im Navajo-Reservat oder Dickie Wilson hier oben in Pine Ridge. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, das heißt nur, das Denken und die Geisteshaltung anzuerkennen, die Kultur auszumachen.

In marxistische Begriffe gefasst, bin ich vermutlich ein ‚Kulturnationalist’. In erster Linie arbeite ich mit meinen Leuten zusammen, den Lakota der Tradition, denn wir haben eine gemeinsame Weltsicht, und wir sind Teil eines Kampfes, der uns unmittelbar betrifft. Darüber hinaus arbeite ich mit anderen traditionellen Völkern der amerikanischen Indianer zusammen, wiederum wegen einer bestimmten Gemeinsamkeit im Hinblick auf die Welt und die Art des Kampfes. Darüber hinaus arbeite ich mit jedem zusammen, der die koloniale Unterdrückung Europas erlebt hat und der sich gegen die völlige kulturelle und industrielle Vereinnahmung zur Wehr setzt. Das schließt ganz klar die ursprünglichen Kaukasier ein, die sich gegen die herrschenden Normen europäischer Kultur zu wehren suchen. Die Iren und die Basken fallen mir spontan ein, doch gibt es noch viele andere.

Ich arbeite zunächst mit meinem eigenen Volk zusammen, mit meiner eigenen Gemeinschaft. Andere Menschen die nicht europäische Standpunkte vertreten, sollten das gleiche tun. Ich glaube an die Parole „Vertrau der Sicht deines Bruders“, und damit meine ich die Schwestern natürlich genauso. Ich vertraue der Gemeinschaft und der kulturell begründeten Vision aller Rassen, die sich ganz natürlich gegen Industrialisierung und Auslöschung menschlichen Lebens wehren. Klar können einzelne Weiße daran teilhaben, vorausgesetzt, sie sind zu dem Bewusstsein gekommen, dass die Fortsetzung der industriellen Zwänge Europas kein Lichtblick ist, sondern Selbstmord der Menschheit. Weiß ist eine der heiligen Farben der Lakota – rot, gelb, weiß und schwarz. Die vier Himmelsrichtungen. Die vier Jahreszeiten. Die vier Abschnitte im Leben und Alten. Die vier Rassen der Menschheit. Misch man rot, gelb, weiß und schwarz miteinander, so erhält man braun, die Farbe der fünften Rasse. Das ist die natürliche Anordnung der Dinge. Daher erscheint es mir natürlich, mit allen Rassen zusammenzuarbeiten, jede Rasse mit ihrer eigenen Bedeutung, Identität und Botschaft.

Aber es gibt ein eigentümliches Verhalten unter den meisten Kaukasiern. Sobald ich Europa und seine Wirkung auf andere Kulturen zu kritisieren beginne, gehen sie in die Defensive. Sie fangen an, sich zu verteidigen. Aber ich greife sich nicht persönlich an, sondern Europa. Wenn ich meine Beobachtungen über Europa personalisiere, personalisieren sie die europäische Kultur und identifizieren sich mit ihr. Indem sie sich selbst in diesem Zusammenhang verteidigen, verteidigen sie letzten Endes eine tote Kultur. Das ist eine Verwirrung, die es zu beenden gilt und zwar schnell. Niemand von uns darf Energie in solche Scheingefechten vergeuden.

Kaukasier haben eine positivere Vision der Menschheit anzubieten als die europäische Kultur. Das glaube ich, aber um zu dieser Vision zu gelangen, ist es notwendig, dass Kaukasier aus der europäischen Kultur heraustreten an die Seite der übrigen Menschheit, um Europa in seinem Wesen in seinen Handlungen zu sehen.

Am Kapitalismus und Marxismus und all den anderen ‚ismen’ festzuhalten, heißt einfach, innerhalb der europäische Kultur verbleiben. Um diese grundlegende Tatsache kommt man nicht herum. Tatsächlich, man muß sich entscheiden. Versteht, dass diese Entscheidung auf Kultur, nicht auf Rasse beruht. Versteht, dass, wenn man die europäische Kultur und den Indusrialismus wählt, man sich dafür entscheidet, mein Feind zu sein. Und versteht, dass das eure Wahl ist, nicht meine.

Das bringt mich wieder an den Punkt, an dem ich mich an jene amerikanischen Indianer wende, die durch die Universitäten, städtischen Slums und andere europäischen Institutionen irren. Wenn ihr dort lernt, dem Unterdrücker Widerstand zu leisten in Einklang mit euren Traditionen, so sei’s drum. Ich weiß nicht, wie ihr es fertig bringt, die beiden Dinge miteinander zu verbinden, aber vielleicht könnt ihr das. Behaltet jedoch euren Sinn für die Wirklichkeit. Hütet euch davor zu glauben, dass die Welt der Weißen jetzt Lösung für die Probleme anbietet, mit denen sie uns konfrontieren. Hütet euch ebenfalls davor, dass Worte der ursprünglichen Bevölkerung zum Vorteil unserer Feinde verdreht werden. Europa erfand die Wortverdrehung zu seinem Nutzen. Man braucht sich doch nur die Verträge zwischen den amerikanischen Indianervölkern und den verschiedenen europäischen Regierungen vor Augen zu halten, um zu wissen, dass das stimmt. Holt euch Kraft aus dem, was ihr seid.

Eine Kultur, die dauernd Revolution mit Fortführung verwechselt, die Wissenschaft mit Religion verwechselt, die Aufstand mit Widerstand verwechselt, kann euch nichts Hilfreiches lehren und nicht von einem ‚way of life’. Europäer haben seit langem jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren, wenn sie überhaupt je einen hatten. Habt Mitleid mit ihnen, wenn ihr meint, ihr müsst es, aber fühlt euch wohl mit dem, was ihr als Indianer seid.

Ich denke, abschließend sollte ich unmissverständlich klarstellen, dass es mir in keiner Weise darum geht, irgend jemand zum Marxismus zu bringen. Der Marxismus ist meiner Kultur so fremd wie der Kapitalismus und das Christentum. In der Tat meine ich sagen zu können, dass es mir nicht darum geht, irgend jemand zu irgendetwas zu bewegen. Bis zu einem gewissen Maße habe ich versucht ein ‚Führer’ zu sein, als das American Indian Movement noch in seinen Anfängen steckte – ‚Führer’ in dem Sinne, wie die Medien der Weißen den Begriff gerne benutzen. Das war ein Ergebnis der Verwirrung, die ich nicht länger habe. Man kann nicht alles für jedermann sein. Damit habe ich nicht vor, meinen Feinden eine Handhabe zu liefern: Ich bin kein Führer. Ich bin ein Oglala Lakota-Patriot. Das ist alles, was ich sein will, und alles, was ich sein muß. Und ich fühle mich sehr wohl als der, der ich bin.

(Diese Rede hielt Russel Means im Juli 1980 beim Black Hills International Survival Meeting)
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Und was macht der Mensch mit seinem Ego-Willen?
Wann endlich übernimmst Du, Mensch, Verantwortung und hörst auf, unverantwortliche Spiele zu spielen?
_________________
Der einzig wichtige Weg, den wir in unserm Leben gehen sollten,
ist der Weg von unserem Verstand zu unserem Herzen
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Niasaja
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BeitragVerfasst am: 06.11.2009, 06:50    Titel: Antworten mit Zitat
'You must have chaos within you to give birth to a dancing star'

Friedrich Nietzsche

Alles Liebe
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lavalampe
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BeitragVerfasst am: 07.11.2009, 14:06    Titel: Antworten mit Zitat
Nachdem ich diese Sendung hörte, hatte ich in der folgenden Nacht einen schrecklichen Albtraum mit okkulten Sadisten und Vampiren. Chaosmagier ist für mich demnach "entartete" Magier deren Ziel es ist, Spass zu haben. (Magiesucht?) Man könnte auch sagen, es sind Abenteurer. Mir gefällt die Prinziplosigkeit nicht, gottlob scheinen Liebe benutzende Magier erfolgreicher zu sein, angeblich.
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Anthera
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BeitragVerfasst am: 07.11.2009, 18:01    Titel: Antworten mit Zitat
Hallo,

Chaosmagie ist eigentlich per Definition NUR die Form von Magie, die sich verschiedenster Techniken aus unterschiedlichen Kulturkreisen bedient. Da können z. B. Runenelemente mit Elementen anderer Richtungen (Schamanismus, tibetische Magie, afrikanische Magie usw.) kombiniert werden, um zu einem Ergebnis zu kommen. Und das Ergebnis kann natürlich auch ein positives sein (Befreiung von Ängsten, Krankheiten, aber auch zum Erfolg, besseren Job, schönere Wohnung, starke, gesunde Kinder usw.).

Das "entartete" ist eine subjektive (und daher willkürliche) Interpretation. Hör Dir halt solche Sendungen nicht mehr an. Smilie

Es fiel auf, dass der Moderator sich sehr um Objektivität bemüht hat. Kam sehr wertfrei und offen rüber. Vielen Dank. Smilie
_________________
Das Chaos ist schrecklich präzise.
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Omit
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BeitragVerfasst am: 11.11.2009, 20:24    Titel: Antworten mit Zitat
Weltenbuerger Thorsten hat folgendes geschrieben:
Wider der Illusion!

Zitat:
„Der Folgende Text wurde auf dem siebenten Treffen des Traditionellen Ältestenrates der Ureinwohner Nordamerikas (vom 27. bis 29.August 1982) auf dem gemeinsamen Nutzungsgebiet von Navajo und Hopi in Dove Waterflow (Arizona) verfaßt und ist an die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gerichtet. Er mahnt auf eindringliche Weise, wie dringend notwendig es ist, eine Richtungsänderung im Umgang mit der Natur einzuläutern.



Brüder und Schwestern,

das Naturgesetz ist die letzte und absolute Autorität, die E Te No Ha, diese Erde, die wir unsere Mutter nennen, regiert. Dieses Gesetz gilt uneingeschränkt, in direktem Verhältnis zu den Überschreitungen. Dieses Gesetz ist nicht barmherzig. Es will genau das, was nötig ist um das Gleichgewicht des Lebens aufrechtzuerhalten. Dieses Gesetz ist zeitlos und kann nicht nach den Normen der Menschheit festgelegt werden. Alles Leben ist dieser Autorität uneingeschränkt unterworfen. Wasser ist unser Körper, Wasser ist Leben. Frisches Wasser wird durch die donnernden Großväter erhalten, die Regenbringer; um die Quellen, Ströme, Flüsse, Seen und Ozeane zu erneuern. Wir werden durch unsere Mutter Erde ernährt, von der alles Leben entspringt. Wir müssen unsere Abhängigkeit von ihr verstehen und sie mit usnerer Liebe, mit Respekt und Zeremonien beschützen. Die Gesichter unserer künftigen Generationen blicken von der Erde zu uns auf, und wir schreiten mit großer Sorgfalt, um unsere Enkel nicht zu stören. Wir sind ein Teil des großen Kreislaufs des Lebens mit vier Jahreszeiten und endloser Erneuerung, solange wir an diesem absoluten Gesetz festhalten. Sobald wir diesen Kreislauf behindern, indem wir die Elemente stören, indem wir verändern oder Arten von Leben zerstören, können die Wirkungen unmittelbar sein oder auf unsere Kinder fallen, die für unsere Ignoranz und Gier leiden und zahlen werden. Das Naturgesetz besagt, daß die Erde unseren Kindern – sieben künftigen Generationen – gehört, und wir sind die Hüter, die E Te No Ha um allen Lebens willen verstehen, respektieren und beschützen müssen. Das Gesetz lautet, daß alles Leben in der Großen Schöpfung gleich ist, und wir, die menschlichen Wesen, sind mit der Verantwortung beauftragt – jeder in unserer Generation -, für den Fortbestand des Lebens zu arbeiten. Uns, den menschlichen Wesen, wurden die ursprünglichen Anweisungen gegeben, wie man mit dem Naturgesetz in Harmonie lebt. Es scheint so zu sein, daß die Völker der natürlichen, ungekünstelten Welt die einzigen sind, die an diesem Gesetz festgehalten haben. Der Ältestenrat der eingeborenen Völker der Großen Schildkröteninsel, damit beauftragt, das erste Gesetz des Lebens und der Spiritualität zu bewahren, ist besorgt, daß die Gültigkeit dieses Gesetzes nicht länger im heutigen Leben anerkannt wird. Wir sind besorgt, daß die Grundsätze des Gesetzes nicht länger an die nächste Generation weitergegeben werden. Das könnte verhängnisvoll für das Leben sein, wie wir es kennen. Das Naturgesetz wird sich ohne Rücksicht auf von Menschen geschaffene Gesetze, Gerichte und Regierungen durchsetzen. Völker und Nationen, die das Naturgesetz verstehen, regieren sich selbst, indem sie den Grundsätzen der Liebe und des Respekts folgen – das sichert Freiheit und Frieden. Wir sind zusammengekommen, weil wir durch die Zerstörung von Strukturen des Lebens alarmiert sind; unser Schicksal ist miteinander verflochten – was uns betrifft, betrifft alle. Wasser ist grundlegend für das Leben, und Getreide ist das nächste. Vergiftetes Wasser wird alles Leben vergiften, Fehlen von Wasser verursacht Trockenheit, Wüsten und Tod. Die Nationen, die in der Großen Ratsversammlung der UNO sitzen, müssen wieder das Naturgesetz lernen und sich selbst entsprechend regieren oder die Folgen ihrer Taten tragen. Es gibt Menschen und Nationen unter Ihnen, die diese Botschaft verstehen; und wir bitten Sie, mit uns zu sein und unsere Gesänge und Zeremonien zur Verteidigung von E Te No Ha, Mutter Erde, zu unterstützen.

Der Traditionelle Ältestenrat“



Russel Means: Die natürliche Ordnung wird sich durchsetzen

Die einzige Möglichkeit, eine Erklärung wie diese zu beginnen, ist zu sagen, dass ich das Schreiben hasse. Denn in diesem Vorgang selbst drückt sich die europäische Auffassung ‚richtigen’ Denkens aus, dem Geschriebenen wird eine Bedeutung zugemessen, die man dem Gesagten abspricht. Meine Kultur, die Lakota-Kultur, besitzt eine mündliche Tradition, und daher lehne ich es normalerweise ab zu schreiben. Eine der Methoden der weißen Welt, die Kulturen nicht-europäischer Völker zu zerstören, ist, den Beziehungen, die sich über das Sprechen herstellen, eine Abstraktion aufzuzwingen.

So ist das, was ihr hier lest, nichts, was ich geschrieben habe. Es ist das, was ich gesagt habe, und ein anderer hat es niedergeschrieben. Ich bin damit einverstanden, weil es anscheinend nur über die toten, trockenen Blätter eines Buches möglich ist, mit der Welt der Weißen in Verbindung zu treten. Mir ist es eigentlich egal, ob meine Worte Weiße erreichen oder nicht. Sie haben bereits durch ihre Geschichte bewiesen, dass sie nicht hören, nicht sehen, nur lesen können (natürlich gibt es Ausnahmen, aber Ausnahmen bestätigen nur die Regel). Wichtiger sind mir die amerikanischen Indianer, Studenten und andere, die dabei sind, durch Universitäten und andere Institutionen von der Welt der Weißen geschluckt zu werden.

Aber selbst das ist nicht die Hauptsorge. Es ist durchaus möglich, Indianer mit einer weißen Gesinnung zu werden, und wenn das eine individuelle Entscheidung ist, sei’s drum – nur kann ich mit solchen Leuten nichts anfangen. Dies ist ein Teil des kulturellen Völkermords, den Europäer heute gegen die indianischen Völker betreiben. Mir geht es um jene Indianer, die sich entschlossen haben, diesem Völkermord Widerstand zu leisten, sich aber vielleicht nicht im klaren darüber sind, wie sie vorgehen sollen.

Ihr merkt, dass, wenn ich mich auf mein Volk beziehe, ich eher den Begriff ‚American Indian’ verwende als ‚Native American’ oder ‚Native Indigenous People’ oder ‚Amerindian’. Wegen solcher Begriffe hat es Auseinandersetzungen gegeben und ganz ehrlich finde ich das an diesem Punkt absurd. In erster Linie scheint es, dass die Bezeichnung ‚American Indian’ als ursprünglich europäische abgelehnt wird – was wahr ist. Aber alle obengenannten Bezeichnungen sind der Herkunft nach europäisch, nicht-europäisch wäre es allein, von Lakota zu sprechen oder genauer, von Oglala, Brule usw., von den Dine, den Miccosukee und all den übrigen mehreren hundert korrekten Stammesnamen. Auch über das Wort ‚Indianer’ herrscht Verwirrung. Irrtümlicherweise wird angenommen, dass es sich irgendwie auf das Land Indien bezieht. Als Kolumbus an einen Strand der Karibik gespült wurde, suchte er nicht nach einem Land namens ‚Indien’. 1492 nannten Europäer das Land ‚Hindustan’. Seht es auf alten Landkarten nach. Kolumbus nannte die Stammesmitglieder, die er antraf, ‚Indio’ aus dem italienischen ‚in dio“, das heißt ‚in Gott’.

Es kostet jeden Indianer große Anstrengung, nicht europäisiert zu werden. Die Kraft für diese Anstrengung kann nur aus den traditionellen Bräuchen kommen, aus den traditionellen Werten, die unsere Älteren bewahren. Sie muß aus dem Ring kommen, den vier Himmelsrichtungen, den Beziehungen, nicht aber aus den Seiten eines Buches oder aus tausend Büchern. Kein Europäer kann je einen Lakota lehren, ein Lakota, einen Hopi ein Hopi zu sein. Ein Magister in ‚Indian Studies’ oder in ‚Erziehung’ oder irgend etwas anderem kann niemand zu einem Menschen machen oder traditionelles Wissen vermitteln. Er kann dich nur intellektuell zum Europäer machen, zum Außenseiter.

Ich sollte mich hier klar ausdrücken, denn es scheint da einige Verwirrung zu geben. Wenn ich von Europäern oder geistigen Europäern spreche, lasse ich mich nicht auf Scheinunterschiede ein. Ich sage nicht, dass es einerseits die Nebenprodukte von einigen tausend Jahren völkermordender, reaktionärer europäischer Geistesentwicklung gibt, die schlecht ist, und andererseits eine neue revolutionäre Geistesentwicklung, die gut ist. Ich beziehe mich hier auf die sogenannten Theorien des Marxismus und Anarchismus und des ‚Links sein’ im allgemeinen. Ich glaube nicht, dass man diese Theorien von der übrigen europäischen Geistestraditionen trennen kann. In Wirklichkeit ist es nur das gleiche alte Lied.

Nehmen wir das Christentum, als historisches Beispiel. Seinerzeit war das Christentum revolutionär. Es veränderte die europäischen Machtverhältnisse für alle Zeit (d.h. wenn man nicht zufällig der Meinung ist, das Römische Reich sei noch immer tonangebende Militärmacht). Aber die europäische Kultur, von der das Christentum ein Teil wurde, machte aus ihm ein Werkzeug der Zerstörung nicht-europäischer Völker (Im Jahre 1493 gab Papst Alexander VI seine berühmte INTER CAETERA Bulle heraus, in der befohlen wurde, alle barbarischen Nicht-Menschen und Nationen müssten unterworfen und gewaltsam zum katholischen Glauben gebracht werden, zugunsten der Expansion der europäischen Militär- und Wirtschaftsmacht auf dem ganzen Planeten, zugunsten der Festigung der europäischen Nationalstaaten, zugunsten der Entstehung des kapitalistischen Wirtschaftssystems). Die christlichen Revolutionen waren ein bedeutender Teil der Entwicklung der europäischen Kultur in eine bereits eingeschlagene Richtung, sie brachte nichts an Veränderungen, es sei denn, den europäischen Genozid außerhalb und vielleicht auch innerhalb Europas zu beschleunigen.

Dasselbe gilt für kapitalistische und andere europäische ‚Revolutionen’. Sie veränderten die Machtverhältnisse in Europa ein bisschen, doch nur, um den Bedürfnissen der weißen Welt auf Kosten von jedem und allem andern nachzukommen.

Der Prozeß begann viel früher. Newton zum Beispiel ‚revolutionierte’ die Physik und die sogenannten Naturwissenschaften, indem er das physische Universum auf eine lineare mathematische Gleichung reduzierte. Descartes tat das gleiche mit der Kultur, John Locke machte es mit der Politik und Adam Smith mit der Wirtschaft. Jeder dieser ‚Denker’ nahm ein Stück der Spiritualität menschlicher Existenz und verwandelte es in eine Formel, in eine Abstraktion. Sie machten da weiter, wo das Christentum aufhört: sie ‚säkularsierten’ die christliche Religion, wie die ‚Gelehrten’ gern sagen, und schufen damit günstigere Voraussetzungen für die expandierende europäische Kultur. Jede dieser intellektuellen Revolutionen diente dazu, das europäische Denken noch abstrakter zu machen, dem Universum seine wunderbare Komplexität und Spiritualität zu nehmen und sie durch eine logische Aufeinanderfolge zu ersetzen: eins, zwei drei Antwort!
So kam es zu dem, was Europäer ‚Effizienz’ nennen. Was immer mechanisch ist, ist perfekt, was immer den Anschein hat, im Augenblick zu funktionieren – das heißt, was den Beweis erbringt, das mechanische Modell sei das richtige – gilt als korrekt, sogar wenn es eindeutig falsch ist. Deshalb ändert sich die ‚Wahrheit’ im europäischen Denken so schnell, die Antworten, die aus einer solchen Vorgehensweise resultieren, sind nur Zwischenlösungen, gelten nur vorübergehend und müssen ständig zugunsten neuer Zwischenlösungen, die die mechanischen Modelle stützen und am Leben erhalten, verworfen werden.

Hegel und Marx waren die Erben des Denkens von Newton, Descartes, Locke und Smith. Hegel beendete den Säkularisierungsprozeß der Theologie – und wie er es selbst ausdrückte – er säkularisierte das religiöse Denken, durch welches Europa das Universum begriff. Dann setzte Marx Hegels Philosophie in eine ‚materialistische’ Terminologie um, d.h., dass Marx Hegels Werk ganz entspiritualisierte. Wieder sind das Marx’ eigene Begriffe. Und das nun wird als das zukünftige revolutionäre Potential Europas betrachtet. Europäer mögen das für revolutionär halten, amerikanische Indianer sehen darin eher den gleichen, alten europäischen Konflikt zwischen Sein und Gewinnstreben. Die geistigen Wurzeln einer neuen marxistischen Form des europäischen Imperialismus liegen in der Verbindung Marxens und seiner Anhänger mit der Tradition Newtons, Hegels und anderer.

‚Sein’ ist ein spirituelles Vorhaben. ‚Gewinnstreben’ ist ein materieller Akt. Ihrer Tradition folgend, haben die Indianer immer versucht, das bestmögliche Volk zu ‚sein’. Teil dieses spirituellen Prozesses war und ist es, Besitz wegzugeben. Besitz aufzugeben, um sich nicht zu bereichern. Materieller Gewinn ist bei traditionsgebundenen Menschen Indikator eines falschen Status, während er unter Europäern ‚ein Beweis’ ist, dass ‚das System funktioniert’. Ganz klar stehen hier zwei völlig entgegengesetzte Ansichten zur Diskussion, und vom Standpunkt des Indianers aus, ist der Marxismus sehr weit auf der anderen Seite. Aber betrachten wir den größeren Zusammenhang, dies ist nicht nur eine intellektuelle Debatte.

Die europäisch-materialistische Tradition der Entspiritualisierung des Universums ähnelt sehr dem geistigen Prozeß der Entmenschlichung einer Person. Und wer scheint die meiste Erfahrung bei der Entmenschlichung anderer zu haben? Und warum? Kampferprobte Soldaten lernen, so etwas mit dem Feind zu machen, bevor sie in die Schlacht zurückkehren. Mörder machen es, bevor sie einen Mord begehen, SS-Wächter der Nazis machten es mit Insassen der Konzentrationslager, Bullen tun es. Chefs von Unternehmen machen es mit den Arbeitern, die sie in Uranbergwerke und Stahlwerke schicken. Politiker machen es mit allen weit und breit. Und das Gemeinsame dieses Vorganges bei all den Gruppen, die die Entmenschlichung betreiben, besteht darin, dass es seine Ordnung hat zu töten und sonstwie andere Menschen zu zerstören. Eines der christlichen Gebote lautet: „Du sollst nicht töten“, zumindest keine Menschen, also besteht der Trick darin, die Opfer im Geiste in nicht-menschliche Wesen zu verwandeln. Dann kann man die Verletzung des eigenen Gesetzes als Tugend hinstellen.

In Bezug auf die Entspiritualisierung der Welt funktioniert der Prozeß so, dass es zu einer Tugend wird, den Planeten zu zerstören, Wörter wie Fortschritt und Entwicklung werden hier als Tarnwörter benutzt, so wie Sieg und Freiheit gebraucht werden, um das Abschlachten bei der Entmenschlichung zu rechtfertigen. Zum Beispiel mag sich ein Grundstücksspekulant bei dem Wort ‚entwickeln’ auf eine Landparzelle beziehen, wo er eine Kiesgrube errichtet: hier bedeutet Entwicklung totale, andauernde Zerstörung, wobei die Erde selbst abgetragen wird. Aber europäischer Logik zufolge hat man ein paar Tonnen Kies gewonnen, womit beim Bau von Straßen weiteres Land ‚entwickelt’ werden kann. Letztlich steht – aus der Sicht des Europäers – das ganze Universum dieser Art von Wahnsinn offen.

Am wichtigsten ist hier vielleicht die Tatsache, dass Europäer bei all dem kein Gefühl des Verlustes verspüren. Schließlich haben ihre Philosophen die Wirklichkeit entspiritualisiert, also gibt es ihnen keine Befriedigung, wenn sie etwas so Wunderbares wie einen Berg oder einen See oder ein Volk, so wie sie sind, einfach nur betrachten. Nein. Befriedigung misst sich an Begriffen materiellen Gewinns. So wird der Berg zu Kies, der See zu Kühlwasser für eine Fabrik, und die Menschen werden wie Vieh zusammengetrieben, um sie durch die Indoktrinationsmühlen, die die Europäer gerne Schulen nennen, zu schleusen. Dies ist alles sehr ‚rational’ und nützlich, deshalb macht man die Erfahrung eines Verlustes nicht. Und es ist sehr schwierig oder unmöglich, jemanden davon zu überzeugen, dass mit dem Prozeß des Gewinnstrebens etwas nicht stimmt, wenn es ihm an spiritueller Weisheit mangelt, den Verlust dessen zu spüren, das die ganze Zeit zerstört wird.

Jede neue Abstraktion entspringt einem direkten Erfordernis. Immer wenn eine Abstraktion sich abzunutzen beginnt, wenn die damit verbundenen Kosten offenkundig werden – offenkundig sogar für manche Europäer – wird eine neue Abstraktion geschaffen, die das Unvermeidliche aufschiebt. Eine Zeitlang führten Newton, Locke, Descartes und Smith zu Hegel und Marx und Darwin. Dann sind da Einstein und Niels Bohr u.a.m. . Jeder trieb die Abstraktion noch weiter voran und leistete seinen Beitrag, das System Wissenschaft / Materialismus fortzusetzen, als die alten ‚Antworten’ unbrauchbar wurden.

Aber jedes neue Stück solchen ‚Fortschritts’ erhöht den Einsatz in der wirklichen Welt. Nehmen wir den Brennstoff für Industriemaschinen als Beispiel. Vor wenig mehr als zwei Jahrhunderten benutze fast jedermann Holz – ein nachwachsender, natürlicher Stoff – als Brennstoff für die sehr menschlichen Bedürfnisse des Kochens und Wärmens. Es kam die industrielle Revolution und Kohle wurde zum bevorzugten Brennstoff, als die Produktion zum gesellschaftlichen Zwang für Europa wurde. In den Städten begann das Problem der Verschmutzung und, um über Kohle zu verfügen, riß man die Erde auf, während man das Holz einfach immer nur gesammelt oder eingebracht hatte, ohne in der Umwelt großen Schaden anzurichten. Später, als man die Produktionstechnologie durch eine Reihe naturwissenschaftlicher ‚Revolutionen’ perfektionierte, wurde Erdöl zur wichtigsten Energiequelle. Die Verschmutzung nahm drastisch zu, und niemand weiß bisher, welche Auswirkungen es auf lange Sicht haben wird, all das Öl aus der Erde zu pumpen. Jetzt haben wir eine ‚Energiekrise’ und Uran wird zu dominierenden Energiequelle – noch immer im Namen desselben Systems materialistischer Werte, die sowohl die Energie- wie die Umweltkrise herbeiführten.

Wenigstens kann man sich darauf verlassen, dass die Kapitalisten Uran als Brennstoff nur soweit erschließen, wie sie daraus Profit schlagen können. Das ist ihre Ethik, und vielleicht bringt das etwas Zeit. Den Marxisten hingegen kann man zutrauen, dass sie die Entwicklung von Uran als Energiequelle so schnell wie möglich vorantreiben, einfach deshalb, weil es der ‚effizienteste’, für die Produktion verfügbare Brennstoff ist. Das ist ihre Ethik, und ich sehe nicht, was daran besser ist. Ich sagte es schon, der Marxismus steht voll und ganz in der europäischen Tradition. Es ist das gleiche alte Lied.

II.

Die Missionare waren die Vorhut des europäischen Feldzuges zur Zerstörung der Kontinente dieser Hemisphäre – nicht nur der hier eingeborenen Völker, sondern der Kontinente selbst. Die Missionare sind noch immer hier und sie sind noch immer aktiv, und traditionelle Indianer betrachten sie als Feinde. Aber von der Bedeutung her sind im wesentlichen Kapitalisten an ihre Stelle getreten, deren Mission es ist, effizient auszubeuten, was die Missionare erschlossen haben. Dieser Wechsel von der Kirche zum Kapitalismus hat ohne Zweifel einige oberflächliche Unterschiede in der europäischen Gesellschaftsstruktur bewirkt – die Europäer sind sogar so weit gegangen, ‚Kirche und Staat (gesetzlich) zu trennen’ (die Macht der Kirche zu mindern) – Aber diese Revolution, das ist der Punkt, hat die Dinge für Nichteuropäer nur schlimmer gemacht. Der Kapitalismus ist zerstörender und wirkungsvoller als die missionarische Ausgabe Europas, der wir ein paar Jahrhunderte vorher begegnet sind.

Es gibt eine Faustregel, die man hier anwenden kann. Der wahre Charakter einer europäischen Revolutionstheorie lässt sich nicht aufgrund der Veränderungen, die sie innerhalb europäischer Machtstruktur und Gesellschaft anstrebt, beurteilen, sondern nur nach den Auswirkungen auf nicht-europäische Völker. Bisher nämlich diente jede europäische Revolution dazu, Tendenzen und Kräfte in Europa zu verstärken, die anderen Völker, anderen Kulturen und der Umwelt selbst Zerstörung bringen. Ich möchte denjenigen sehen, der mir ein Beispiel aufzeigen kann, wo dies nicht der Fall ist.

Unsere Mutter Erde ist missbraucht worden, und das kann nicht ewig so weitergehen. Die Umwelt wird sich rächen und diejenigen, die den Missbrauch betrieben haben, werden ausgelöscht werden. Keine Theorie vermag diese Tatsache zu ändern.

Jetzt sollen wir Indianer also glauben, dass eine ‚neue’ europäische Revolutionstheorie wie die marxistische die für uns negative Auswirkungen europäischer Geschichte aufhebt. Die europäischen Machtverhältnisse sollen wieder einmal geändert werden, und dadurch soll es uns allen besser gehen. Aber was bedeutet das in Wirklichkeit?

Wir, die Bewohner der Pine Ridge Reservation leben jetzt gerade in dem Gebiet, das die weiße Gesellschaft als ‚National Sacrifice Area’ (etwa: ein dem nationalen Wohl zu opferndes Gebiet) bezeichnet. Und das heißt, dass wir hier viele Uranlager haben und dass die Kultur der Weißen (nicht wir) dieses Uran zur Energiegewinnung braucht. Bei der Urangewinnung und –verarbeitung ist es für die Industrie am billigsten und rationellsten, die unverwertbaren Abfallprodukte gleich hier am Abbauort abzulagern. Genau hier, wo wir leben. Dieser Abfall ist radioaktiv und wird das ganze Gebiet für immer unbewohnbar machen. Die Industrie und die weiße Gesellschaft, die diese Industrie schuf, betrachtet dies als ‚annehmbaren’ Preis für die Erschließung der Energiequellen. Gleichzeitig plant man, den Grundwasserspiegel in dieser Region South Dakotas als Teil des Industrialisierungsprozesses abzuleiten: also wird das Gebiet doppelt unbewohnbar. Das gleiche passiert im Land der Navajo und Hopi, oben im Land der Northern Cheyenne und der Crow und überall. Dreissig Prozent Kohle des Westens und die Hälfte der Uranvorkommen in den Vereinigten Staaten liegen in Reservationsland, und das kann man keineswegs als geringfügiges Problem ansehen. Für die Indianer ist es im wahrsten Sinne des Wortes eine Überlebensfrage. Für die weiße Gesellschaft und ihre Industrie ist es eine Frage, in ihrer gegenwärtigen Form weiterexistieren zu können.

Wir wehren uns dagegen, dass dieses Gebiet dem Wohle der Nation geopfert werden soll. Wir wehren uns dagegen, dass man uns in ein Volk verwandelt, das für das Land geopfert wird. Wir akzeptieren den Preis für diese Industrialisierung nicht. Es ist Völkermord, wenn hier Uran gefördert und der Grundwasserspiegel abgeleitet wird – nicht mehr, nicht weniger. Der Grund für unseren Widerstand ist also klar genug und sollte nicht weiter erklärt werden müssen. Niemandem.

Nehmen wir nun an, wir würden anfangen, uns im Widerstand gegen unsere Ausrottung Verbündete zu suchen, die wir haben. Nehmen wir weiterhin an, dass wir den revolutionären Marxismus beim Wort nehmen, nämlich, dass er nichts weniger als den vollständigen Umsturz der kapitalistischen europäischen Gesellschaftsordnung anstrebt, die genau unsere ganze Existenz bedroht. Für die Indianer wäre das eigentlich dem Anschein nach ein natürlicher Verbündeter. Den Marxisten zufolge sind es schließlich die Kapitalisten, die uns zum Opfer für die Nation erhoben. Das ist soweit richtig.

Doch wie ich aufzuzeigen versucht habe täuscht diese ‚Wahrheit’ sehr. Man schaue unter die Oberfläche des revolutionären Marxismus und was findet man? Eine Verpflichtung, das industrielle System, das den Uranbedarf der weißen Gesellschaft schuf, zu revidieren? Nein. Eine Verpflichtung, den Lakota und anderen Indianervölkern die tatsächliche Verfügung über ihr Land mit den Bodenschätzen, das sie verlassen haben, zu gewährleisten? Nein, wenn die Industrialisierung als Teil ihrer Doktrin nicht revidiert werden sollte. Eine Verpflichtung unseren Rechten als Volk gegenüber, eine Verpflichtung, unsere Wertvorstellungen und Traditionen zu bewahren? Nein, nicht solange sie das Uran auf unserem Land brauchen, um das industrielle System der Gesellschaft, der Kultur, zu der die Marxisten noch immer gehören, zu füttern.

Der revolutionäre Marxismus engagiert sich sogar dafür, eben die Industrialisierung, die uns alle zerstört, fortzusetzen und zu perfektionieren. Er bietet lediglich an, die Gewinne, vielleicht das Geld, aus dieser Industrialisierung, an einen größeren Teil der Bevölkerung ‚rückzuverteilen’. Er bietet an, den Kapitalisten den Reichtum wegzunehmen und umzuverteilen, aber um das zu tun, muß der Marxismus das industrielle System aufrechterhalten. Wieder einmal werden die Machtverhältnisse innerhalb der europäischen Gesellschaft verändert werden müssen, und wieder einmal werden die Auswirkungen auf die Indianervölker hier, auf Nichteuropäer anderswo, die gleichen bleiben. Das ist fast so wie zur Zeit der sogenannten bürgerlichen Revolution, als die Macht von der Kirche auf die Privatwirtschaft umverteilt wurde. Die europäische Gesellschaft wandelte sich ein wenig, zumindest oberflächlich, aber ihre Haltung Nichteuropäer gegenüber war weiterhin unverändert. Man sieht ja, was die Revolution von 1776 den Indianern einbrachte. Es ist dasselbe alte Lied.

Der revolutionäre Marxismus versucht, wie die industrielle Gesellschaft in anderer Weise, alle Menschen in Bezug auf die Industrie zu ‚rationalisieren’ – höchstentwickelte Industrie, Höchstproduktion. Es ist eine materialistische Doktrin, die die spirituelle Tradition der Indianer, unserer Kulturen, unsere Lebensart verachtet. Marx selbst nannte uns ‚vorkapitalistisch’ und ‚primitiv’. Von seinem Standpunkt aus bedeutet ‚vorkapitalistisch’ einfach, dass wir den Kapitalismus schließlich entdecken und zu Kapitalisten werden würden: in marxistische Begriffe gefasst, sind wir immer ökonomisch zurückgeblieben. An einer marxistischen Revolution könnten die Indianervölker nur teilnehmen, wenn sie sich in das industrielle System einfügen und Fabrikarbeiter oder ‚Proletarier’, wie Marx sie nannte, würden. Der Mann war sich sehr klar darüber, dass eine Revolution nur durch den Kampf des Proletariats stattfinden kann und dass das Vorhandensein eines massiven industriellen Systems Vorbedingung für eine erfolgreiche marxistische Gesellschaft ist.

Ich glaube hier gibt es ein sprachliches Problem. Christen, Kapitalisten, Marxisten, sie alle waren ihrem eigenen Verständnis nach revolutionär, doch keiner von ihnen meint wirklich Revolution. Was sie wirklich meinen ist eine Fortführung. Sie tun, was sie tun, damit die europäische Kultur weiter bestehen und sich ihrer Bedürfnisse gemäß entwickeln kann. Wie Krankheitskeime durchläuft die europäische Kultur Stadien gelegentlicher Konvulsionen, um weiterzuleben und zu wachsen. Wir reden nicht über eine Revolution, sondern über eine Methode, das bereits Existierende fortzusetzen. Eine Amöbe ist, nachdem sie sich reproduziert hat, immer noch eine Amöbe. Vielleicht sind Krebszellen ein genauer Vergleich, da die europäische Kultur historisch gesehen um sich herum alles zerstört hat und sich möglicherweise selbst zerstören wird.

Um uns wirklich mit dem Marxismus zu verbünden, müssten wir Indianer zustimmen, unsere Heimat der Nation zu opfern, wir müssten kulturellen Selbstmord begehen und uns industrialisieren und europäisieren lassen.

An diesem Punkt muß ich innehalten und mich fragen, ob ich zu hart bin. Der Marxismus hat so etwas wie eine Geschichte. Gibt diese Geschichte meine Beobachtungen recht? Ich schaue mir den Industrialisierungsprozeß in der Sowjetunion seit 1920 an und sehe, dass diese Marxisten das geschafft haben, wozu die industrielle Revolution in England 300 Jahre brauchten; und die Marxisten schafften es in 60 Jahren. Ich sehe, dass im Gebiet der UdSSR früher eine Reihe von Völkerstämmen lebte, und dass sie niedergemacht wurden, um den Weg für die Fabriken zu ebnen. Die Sowjets berufen sich hierbei auf ‚die Nationale Frage’, die Frage, ob diese Stämme das Recht hatten, als Völker zu existieren, und sie entschieden, dass man diese Völkerstämme ruhig industriellen Zwecken opfern könne. Ich schaue mir China an und stelle das gleiche fest. Ich schaue mir Vietnam an und stelle fest, dass die Marxisten eine industrielle Ordnung erzwingen und die einheimischen Bergstämme ausrottet.

Ich höre einen führenden Sowjetwissenschaftler sagen, dass Alternativen gefunden würden, wenn sich das Uran erschöpft habe. Ich sehe die Vietnamesen ein vom US-Militär aufgegebenes Atomkraftwerk übernehmen. Haben sie es abgebaut und zerstört? Nein. Sie benutzen es. Ich sehe die Chinesen Atombomben zünden. Uranreaktoren entwickeln und ein Raumfahrtprogramm aufstellen, um die Planeten zu kolonisieren und auszubeuten, genau wie die Europäer diese Hemisphäre kolonisiert und ausgebeutet haben. Es ist das gleiche alte Lied, nur dass es jetzt vielleicht schneller geht.
Die Äußerung des Sowjetwissenschaftlers ist sehr interessant. Weiß er, was die alternative Energiequelle sein wird? Nein, er ist schlicht gutgläubig. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Ich höre revolutionäre Marxisten sagen, die Zerstörung der Umwelt, die Verschmutzung und die radioaktive Strahlung – alles wird man in den Griff bekommen. Und ich sehe sie nach ihren Worten handeln. Wissen sie, wie man diese Dinge in den Griff bekommt? Nein, sie sind schlicht gutgläubig. Die Wissenschaft wird einen Weg finden, die Industrialisierung ist gut und notwendig. Woher wissen sie das? Glaube. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Eine solche Art von Glauben hieß in Europa immer Religion. Die Wissenschaft ist die neue Religion sowohl für Kapitalisten als auch für Marxisten; sie sind wahrhaft untrennbar, sie gehören, eins wie das andere, zur gleichen Kultur. Daher fordert der Marxismus in Theorie und Praxis von nicht europäischen Völkern, ihre Werte, ihre Tradition, ihre kulturelle Existenz ganz und gar aufzugeben. In einer marxistischen Gesellschaft werden wir alle Hörige der Industrialisierung und ihrer Wissenschaft sein.

III.

Ich bin nicht der Meinung, dass der Kapitalismus an sich wirklich verantwortlich für die Situation ist, in der die amerikanischen Indianer zum nationalen Opfer erklärt wurden. Nein, die europäische Tradition ist es, die europäische Kultur selbst ist verantwortlich. Der Marxismus ist nur das letzte Glied in der Kette dieser Tradition und nicht ihre Auflösung. Sich mit dem Marxismus zu verbünden, heißt, sich mit genau den Kräften zu verbünden, die uns als akzeptable Kosten verbuchen.

Es gibt einen anderen Weg. Es ist der Weg der traditionellen Lakota und der anderen amerikanischen Indianervölker; es ist der Weg des Wissens darum, dass Menschen nicht das Recht haben, die Mutter Erde zu erniedrigen, dass es Kräfte gibt, die über das, was europäischer Geist je ersonnen hat, hinausgehen; dass die Menschen sich in Harmonie mit der ganzen Umwelt befinden müssen, sonst wird es die Umwelt sein, die schließlich die Disharmonie beseitigen wird. Eine einseitige Bedrohung des Menschen durch den Menschen – die Arroganz der Europäer, so zu handeln, als stünden sie über der Tatsache, dass alle Dinge von Natur aus miteinander zusammenhängen – kann nur mit einer völligen Disharmonie enden und in einer Wiederanpassung, wobei die Arroganten auf ihre wirkliche Größe zurechtgestutzt werden und sie eine Ahnung von jener Wirklichkeit bekommen, die jenseits ihres Verständnisses und außerhalb ihrer Kontrolle liegt, und die die Harmonie wiederherstellt. Eine Revolutionstheorie ist nicht nötig, damit das geschieht; das entzieht sich menschlicher Kontrolle. Die Naturvölker dieses Planeten wissen das und deshalb stellen sie darüber keine Theorien auf. Theorie ist abstrakt, unser Wissen ist konkret.

Reduziert man den europäischen Glauben auf sein Wesentliches – einschließlich des neuen Glaubens an die Wissenschaft – so ist das gleichbedeutend mit dem Glauben, das der Mensch Gott sei. Europa hat immer einen Messias gesucht, sei es der Mensch Jesus Christus oder der Mensch Karl Marx oder der Mensch Albert Einstein. Amerikanische Indianer wissen, dass dies vollkommen absurd ist. Die Menschen sind die schwächsten aller Lebewesen und so schwach, dass andere Lebewesen bereit sind, ihr Fleisch aufzugeben, damit wir leben können. Die Menschen können nur aufgrund ihrer Rationalität, die sie anwenden, überleben, da es ihnen an Möglichkeiten fehlt, sich Nahrung durch den Gebrauch von Fangzähnen und Krallen zu beschaffen, so wie andere Kreaturen es machen.

Aber die Rationalität ist ein Fluch, denn sie veranlasst die Menschen, die natürliche Ordnung der Dinge zu vergessen – anders als die Tiere. Wölfe vergessen niemals ihren Platz in der natürlichen Ordnung. Amerikanische Indianer können ihn vergessen, Europäer vergessen ihn fast immer. Wir danken dem Wild, das mit uns verwandt ist, da es uns erlaubt, sein Fleisch zu essen. Europäer nehmen das Fleisch als selbstverständlich hin und halten das Wild für minderwertig. In ihrem Rationalismus und ihrer Wissenschaft halten sich die Europäer schließlich für gottgleich. Gott ist das höchste Wesen; alles andere muß niedriger sein.

Die ganze europäische Tradition, der ‚Marxismus’ eingeschlossen, hat sich verschworen, die natürliche Ordnung aller Dinge herauszufordern. Mutter Erde ist vergewaltigt worden, die Kräfte sind missbraucht worden, und das kann nicht ewig so weitergehen.
Keine Theorie vermag an dieser Tatsache etwas zu ändern. Mutter Erde wird sich rächen, die gesamte Umwelt wird sich rächen und diejenigen, die den Missbrauch betrieben haben, werden ausgelöscht werden. Die Dinge durchlaufen einen vollkommenen Kreis und kehren an ihren Anfang zurück. Das ist Revolution. Und das ist eine Prophezeiung meines Volkes, der Hopi und anderer Völker, die im Recht sind.

Seit Jahrhunderten versuchen die amerikanischen Indianer dies den Europäern klarzumachen. Aber wie ich schon sagte, haben Europäer selbst bewiesen, dass sie nicht hören können. Die natürliche Ordnung wird sich durchsetzen und diejenigen, die sie verletzen, werden aussterben, so wie das Wild stirbt, wenn es die Harmonie verletzt, indem es sich in einem begrenzten Raum zu sehr vermehrt. Es ist nur eine Zeitfrage, bis das stattfindet, was die Europäer ‚eine größere Katastrophe globalen Ausmaßes’ nennen. Es kommt allen Indianervölkern zu, jeder natürlichen Existenz, zu überleben. Ein Teil unseres Überlebens ist der Widerstand. Wir leisten diesen Widerstand, nicht um eine Regierung zu stürzen oder die politische Macht zu übernehmen, sondern weil es natürlich ist, sich gegen die Ausrottung zu wehren, zu überleben. Wir wolle nicht die Macht über Institutionen der Weißen, wir wollen, dass die Institutionen der Weißen verschwinden. Das ist Revolution.

Amerikanische Indianer sind noch immer auf Tuchfühlung mit diesen Realitäten – den Prophezeiungen, den Traditionen unserer Vorfahren. Wir lernen von den Alten, von der Natur, von den Kräften. Und wenn die Katastrophe vorüber ist, werden wir amerikanischen Indianer noch immer hier sein, um diese Hemisphäre zu bewohnen. Und wenn nur eine Handvoll Leute hoch oben in den Anden überlebt, mir ist das egal. Die amerikanischen Indianer werden überleben; die Harmonie wird wiederhergestellt werden. Das ist Revolution.

An diesem Punkt sollte ich vielleicht etwas anderes klarmachen, etwas, das eigentlich klar sein sollte, nach dem, was ich bereits gesagt habe. Aber die Verwirrung breitet sich heutzutage leicht aus, deshalb möchte ich den folgenden Punkt untermauern. Wenn ich den Begriff ‚Europäer’ verwende, beziehe ich mich nicht auf eine Hautfarbe oder auf eine besondere Struktur. Worauf ich mich beziehe, ist eine Geisteshaltung, eine Weltsicht, die ein Ergebnis der Entwicklung europäischer Kultur ist. Menschen sind nicht genetisch dazu veranlagt. Das gleiche gilt für amerikanische Indianer oder für Mitglieder jeder anderen Kultur.

Es ist einem amerikanischen Indianer möglich, europäische Werte, eine europäische Weltansicht zu teilen. Wir haben einen Begriff für diese Leute: wir nennen sie ‚Äpfel’ – rot auf der Außenseite (Genetik) und weiß innen (ihre Werte). Andere Gruppen haben ähnliche Begriffe: die Schwarzen haben ihre ‚oreos’, die Hispanier haben ‚Kokosnüsse’ und so weiter. Und wie ich schon sagte, es gibt Ausnahmen von der Regel der Weißen; Leute, die außen weiß sind, aber nicht innen. Ich bin mir nicht sicher, welcher Begriff auf sie anwendbar wäre, außer dem ‚menschlichen Wesen’.

Die Haltung die ich hier einnehme, ist keine rassistische, sondern eine kulturelle. Diejenigen, die letztendlich die Gegebenheiten europäischer Kultur und ihren Industrialismus befürworten und verteidigen, sind meine Feinde. Diejenigen, die dagegen Widerstand leisten, dagegen kämpfen, sind meine Verbündeten, die Verbündeten des amerikanischen Indianervolkes. Und mir ist es ungeheuer egal, was für eine Hautfarbe sie zufällig haben. Kaukasisch ist die Bezeichnung der Weißen für die weiße Rasse. Europäisch ist eine Ansicht, gegen die ich bin.

Die vietnamesischen Kommunisten sind, genau genommen, nicht was man – genetisch betrachtet – als Kaukasier bezeichnen könnte, aber sie funktionieren heute vom Bewusstsein her als Europäer. Das gleiche gilt für chinesische Kommunisten, japanische Kapitalisten, Bantu-Katholiken oder Peter ‚MacDollar’ da unten im Navajo-Reservat oder Dickie Wilson hier oben in Pine Ridge. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, das heißt nur, das Denken und die Geisteshaltung anzuerkennen, die Kultur auszumachen.

In marxistische Begriffe gefasst, bin ich vermutlich ein ‚Kulturnationalist’. In erster Linie arbeite ich mit meinen Leuten zusammen, den Lakota der Tradition, denn wir haben eine gemeinsame Weltsicht, und wir sind Teil eines Kampfes, der uns unmittelbar betrifft. Darüber hinaus arbeite ich mit anderen traditionellen Völkern der amerikanischen Indianer zusammen, wiederum wegen einer bestimmten Gemeinsamkeit im Hinblick auf die Welt und die Art des Kampfes. Darüber hinaus arbeite ich mit jedem zusammen, der die koloniale Unterdrückung Europas erlebt hat und der sich gegen die völlige kulturelle und industrielle Vereinnahmung zur Wehr setzt. Das schließt ganz klar die ursprünglichen Kaukasier ein, die sich gegen die herrschenden Normen europäischer Kultur zu wehren suchen. Die Iren und die Basken fallen mir spontan ein, doch gibt es noch viele andere.

Ich arbeite zunächst mit meinem eigenen Volk zusammen, mit meiner eigenen Gemeinschaft. Andere Menschen die nicht europäische Standpunkte vertreten, sollten das gleiche tun. Ich glaube an die Parole „Vertrau der Sicht deines Bruders“, und damit meine ich die Schwestern natürlich genauso. Ich vertraue der Gemeinschaft und der kulturell begründeten Vision aller Rassen, die sich ganz natürlich gegen Industrialisierung und Auslöschung menschlichen Lebens wehren. Klar können einzelne Weiße daran teilhaben, vorausgesetzt, sie sind zu dem Bewusstsein gekommen, dass die Fortsetzung der industriellen Zwänge Europas kein Lichtblick ist, sondern Selbstmord der Menschheit. Weiß ist eine der heiligen Farben der Lakota – rot, gelb, weiß und schwarz. Die vier Himmelsrichtungen. Die vier Jahreszeiten. Die vier Abschnitte im Leben und Alten. Die vier Rassen der Menschheit. Misch man rot, gelb, weiß und schwarz miteinander, so erhält man braun, die Farbe der fünften Rasse. Das ist die natürliche Anordnung der Dinge. Daher erscheint es mir natürlich, mit allen Rassen zusammenzuarbeiten, jede Rasse mit ihrer eigenen Bedeutung, Identität und Botschaft.

Aber es gibt ein eigentümliches Verhalten unter den meisten Kaukasiern. Sobald ich Europa und seine Wirkung auf andere Kulturen zu kritisieren beginne, gehen sie in die Defensive. Sie fangen an, sich zu verteidigen. Aber ich greife sich nicht persönlich an, sondern Europa. Wenn ich meine Beobachtungen über Europa personalisiere, personalisieren sie die europäische Kultur und identifizieren sich mit ihr. Indem sie sich selbst in diesem Zusammenhang verteidigen, verteidigen sie letzten Endes eine tote Kultur. Das ist eine Verwirrung, die es zu beenden gilt und zwar schnell. Niemand von uns darf Energie in solche Scheingefechten vergeuden.

Kaukasier haben eine positivere Vision der Menschheit anzubieten als die europäische Kultur. Das glaube ich, aber um zu dieser Vision zu gelangen, ist es notwendig, dass Kaukasier aus der europäischen Kultur heraustreten an die Seite der übrigen Menschheit, um Europa in seinem Wesen in seinen Handlungen zu sehen.

Am Kapitalismus und Marxismus und all den anderen ‚ismen’ festzuhalten, heißt einfach, innerhalb der europäische Kultur verbleiben. Um diese grundlegende Tatsache kommt man nicht herum. Tatsächlich, man muß sich entscheiden. Versteht, dass diese Entscheidung auf Kultur, nicht auf Rasse beruht. Versteht, dass, wenn man die europäische Kultur und den Indusrialismus wählt, man sich dafür entscheidet, mein Feind zu sein. Und versteht, dass das eure Wahl ist, nicht meine.

Das bringt mich wieder an den Punkt, an dem ich mich an jene amerikanischen Indianer wende, die durch die Universitäten, städtischen Slums und andere europäischen Institutionen irren. Wenn ihr dort lernt, dem Unterdrücker Widerstand zu leisten in Einklang mit euren Traditionen, so sei’s drum. Ich weiß nicht, wie ihr es fertig bringt, die beiden Dinge miteinander zu verbinden, aber vielleicht könnt ihr das. Behaltet jedoch euren Sinn für die Wirklichkeit. Hütet euch davor zu glauben, dass die Welt der Weißen jetzt Lösung für die Probleme anbietet, mit denen sie uns konfrontieren. Hütet euch ebenfalls davor, dass Worte der ursprünglichen Bevölkerung zum Vorteil unserer Feinde verdreht werden. Europa erfand die Wortverdrehung zu seinem Nutzen. Man braucht sich doch nur die Verträge zwischen den amerikanischen Indianervölkern und den verschiedenen europäischen Regierungen vor Augen zu halten, um zu wissen, dass das stimmt. Holt euch Kraft aus dem, was ihr seid.

Eine Kultur, die dauernd Revolution mit Fortführung verwechselt, die Wissenschaft mit Religion verwechselt, die Aufstand mit Widerstand verwechselt, kann euch nichts Hilfreiches lehren und nicht von einem ‚way of life’. Europäer haben seit langem jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren, wenn sie überhaupt je einen hatten. Habt Mitleid mit ihnen, wenn ihr meint, ihr müsst es, aber fühlt euch wohl mit dem, was ihr als Indianer seid.

Ich denke, abschließend sollte ich unmissverständlich klarstellen, dass es mir in keiner Weise darum geht, irgend jemand zum Marxismus zu bringen. Der Marxismus ist meiner Kultur so fremd wie der Kapitalismus und das Christentum. In der Tat meine ich sagen zu können, dass es mir nicht darum geht, irgend jemand zu irgendetwas zu bewegen. Bis zu einem gewissen Maße habe ich versucht ein ‚Führer’ zu sein, als das American Indian Movement noch in seinen Anfängen steckte – ‚Führer’ in dem Sinne, wie die Medien der Weißen den Begriff gerne benutzen. Das war ein Ergebnis der Verwirrung, die ich nicht länger habe. Man kann nicht alles für jedermann sein. Damit habe ich nicht vor, meinen Feinden eine Handhabe zu liefern: Ich bin kein Führer. Ich bin ein Oglala Lakota-Patriot. Das ist alles, was ich sein will, und alles, was ich sein muß. Und ich fühle mich sehr wohl als der, der ich bin.

(Diese Rede hielt Russel Means im Juli 1980 beim Black Hills International Survival Meeting)
[/center]



Und was macht der Mensch mit seinem Ego-Willen?
Wann endlich übernimmst Du, Mensch, Verantwortung und hörst auf, unverantwortliche Spiele zu spielen?


WOW, das wollte ich auch mal dürfen (und dann noch ohne quellenangabe):

http://cropfm.bboard.de/board/ftopic-44248441nx23935-1134-30.html#5541

lichtbote:

Zitat:
Wann endlich übernimmst Du, Mensch, Verantwortung und hörst auf, unverantwortliche Spiele zu spielen?
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IndridCold
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BeitragVerfasst am: 13.11.2009, 15:24    Titel: parkplatzmagie Antworten mit Zitat
parkplatzmagie: ja, DAS kenn ich, und es stimmt absolut. alles eine frage von selbstsicherheit und selbstvertrauen. und auf keinen fall zögerliches verhalten.
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". . . there are periods of history when the visions of madmen and dope fiends are a better guide to reality than the common-sense interpretation of data available to the so-called normal mind. This is one such period, if you haven't noticed already." (robert anton wilson)
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BeitragVerfasst am: 13.11.2009, 17:49    Titel: crowley etc. Antworten mit Zitat
a bisserl bedenklich ist natürlich schon, dass die sendegäste zwar ihr "LIBER M" haben und lesen müssen, aber aufgrund der tatsache, nie etwas von crowley (außer "moonchild") gelesen zu haben, offenbar nicht durchschauen, dass die meisten angaben in ihrem buch nix anderes als crowley-updates sind (traumtagebuch = crowley, sigillenmagie = crowley, willensfokusierung = crowley etc. etc.).

vielleicht wärs doch ganz gut, die -zahlreichen!- originalwerke zumindest einmal zu lesen statt die verwässerten neu-umschreibungen.... Smilie
denn da erspart man sich viel an umwegen.

ein tipp:
http://www.hermetic.com/crowley
da ist (fast) alles downloadbar.
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mimett
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BeitragVerfasst am: 14.11.2009, 00:54    Titel: Großes Lob an Tarek! Antworten mit Zitat
Moin!
Ich möchte mich ich auf diesem Weg kurz bei Tarek bedanken, der mich durch seine Sendungen, durch die er mit Intelligenz, Charme und den richtigen Fragen führt, um so Vieles bereichert. Ein aufrichiges DANKESEHR! Ich konnte so viel Neues für "mich" mitnehmen. Danke für dieses Geschenk!
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mimett
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Beiträge: 8
Wohnort: Wismar

BeitragVerfasst am: 14.11.2009, 01:49    Titel: Re: Großes Lob an Tarek! Antworten mit Zitat
mimett hat folgendes geschrieben:
Moin!
Ich möchte mich ich auf diesem Weg kurz bei Tarek bedanken, der mich durch seine Sendungen, durch die er mit Intelligenz, Charme, Witz und den richtigen Fragen geführt hat und immer noch führt, um so Vieles bereichert. Ein aufrichiges DANKESEHR! Ich konnte so viel Neues für "mich" mitnehmen. Danke für dieses Geschenk! doumo arigatou gozaimasu
PS: Nicht von Dir erschaffene Realität.
Sehr glücklich
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egG
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BeitragVerfasst am: 14.11.2009, 12:46    Titel: Antworten mit Zitat
Danke mimett...
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polarheld
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BeitragVerfasst am: 28.11.2009, 20:30    Titel: Antworten mit Zitat
Tolle sendung

...spielt genau in mein jetziges leben - hat mir sehr viel spass gemacht .


Zuletzt bearbeitet von polarheld am 30.11.2009, 01:45, insgesamt einmal bearbeitet
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Nightrat
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Anmeldungsdatum: 21.12.2008
Beiträge: 585
Wohnort: Erde

BeitragVerfasst am: 28.11.2009, 23:41    Titel: Antworten mit Zitat
Eigentlich hatte ich Probleme mit der Sendung.
Dachte mir immer wieder: Wissen die beiden eigentlich womit sie es zu tun haben und was sie da wirklich tun?

Nunja, ich kanns ja nicht beurteilen.
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